Spielwaren-Trends Turnen statt Touchscreen

Smartphones und Apps haben die Kinderzimmer bereits erobert. Jetzt kommt der Gegentrend. Die Spielwaren-Industrie legt das Augenmerk wieder auf ein traditionelles Gebiet: die Bewegung.
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Die frühere First Lady der USA will Kinder in Bewegung bringen. Quelle: dpa
Michelle Obama

Die frühere First Lady der USA will Kinder in Bewegung bringen.

(Foto: dpa)

NürnbergKinder hocken nur noch vor dem Fernseher, hat es früher schon geheißen. Heute – befürchten einige – ziehen Smartphone und Tablet den Nachwuchs noch mehr in den Bann. Da bedeuten Apps für die Spielwarenbranche eine gute Ergänzung des Geschäfts. Jetzt aber will die Industrie auch den Gegentrend nutzen. Digitaler Stress und Mangel an Bewegung verlangen nach Ausgleich - mit Hilfe von Spielsachen soll der gelingen. Um dafür zu werben, beansprucht die Branche sogar Ex-First-Lady Michelle Obama.

Was wäre besser geeignet als eine Balancier-Rolle mit Gummireifen, um „Balance in der Alltagswelt“ zu bringen? So steht es auf der Webseite der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg. Das Gerät soll Motorik und Koordination trainieren, ein Yoga-Spiel zu Gymnastik im Kinderzimmer anregen, ein Malbuch entspannen – zum Ausgleich auch für die Spiele-Apps, die die Industrie ebenfalls verkauft. „Body and Mind“ nennt die Branche das Segment, das sie als einen der großen Trends für dieses Jahr ausruft.

Für 2016 zeichnen sich dabei positive Geschäftszahlen für die Branche ab. Die Verbrauchermarktforschung npdgroup rechnet mit fünf Prozent Umsatzwachstum für den deutschen Markt - repräsentativ für rund 80 Prozent des Marktes. Die endgültigen Zahlen für das vergangene Jahr sollen im März vorliegen. 2015 hatte der Jahresendspurt der Branche einen Rekordumsatz von gut 3 Milliarden Euro beschert.

Wie groß der Anteil des Segments „Body and Mind“ daran ist, lässt sich kaum abgrenzen, schließlich gehören dazu sehr unterschiedliche Spielsachen. Das Sortiment auf konkrete Absatz- und Umsatzzahlen zu beziehen, sei schwierig, erklärt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). „Body and Mind“ sei aber ein Thema, dessen Potenzial in der Zukunft liegt.

Das sind die angesagtesten Spielzeuge 2016
Stadlbauer: Carrera Go Plus
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Auch wenn der Führerschein noch einige Jahre entfernt ist, spielen Autos bei vielen Kindern bereits eine große Rolle. So schafft es auch „Carrera Go!!! Plus“ unter die zehn beliebtesten Spielzeuge 2016. Die Bahn kann per Bluetooth auch mit der Carrera-App verbunden werden.

Die „Top 10 Spielzeug“ ist eine jährliche Marketingaktion für Spielzeug und Freizeitartikel in Deutschland. Die Jury, die über die zehn besten Spielzeuge abstimmt, setzt sich aus dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) und mehreren Spielzeug- und Freizeitexperten wie Michael Melzer, Geschäftsführer Central Europe von Toys „R“ Us, zusammen.

Hasbro: Torch, mein kleiner Drache
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Der Drache Torch ist Teil der Spielzeugreihe „FurReal Friends“ und kann auf Knopfdruck roten Sprühnebel speihen. Das Spielzeug wird vom deutschen Ableger des US-Konzern Hasbro vertrieben. Hasbro zählt in der Spielwarenbranche zu den Marktführern und setzte zuletzt 1,68 Milliarden Dollar um. Vor zwei Jahren hat Hasbro sich den lukrativen Lizenzvertrag für die Disney-Figuren gesichert. Die Firma wurde 1923 als Familienunternehmen von den Brüdern Henry und Hillel Hassenfeld gegründet.

Ravensburger: Tiptoi-Spielwelten
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Die Tiptoi-Spielwelten des Traditionsunternehmens Ravensburger schaffen es ebenfalls unter die Top Spielzeuge 2016. Für Kinder zwischen vier und acht Jahren werden gleich mehrere Welten wie Polizei und Autorennen angeboten und enthalten neben Spielfiguren Elemente zum Zusammenbauen. Der 1883 gegründete Hersteller Ravensburger zählt zu den ältesten Unternehmen in der Branche und brachte 1959 unter anderem die Erstversion von Memory auf den Markt.

Spin Master: Hatchimals
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Die „Hatchimals“ gehören zu den interaktive Spielzeugen. Beim Kauf ist das Ei zunächst geschlossen. Es schlüpft erst dann ein Küken, wenn das Ei ordentlich versorgt und gepflegt wird. Im Anschluss gibt es einen dreistufigen Entwicklungsprozess des Kükens zum ausgewachsenen Hatchimal. Das Spielzeug wird von dem kanadischen Unternehmen Spin Master produziert, das 1994 von den Freunden Ronnen Harary and Anton Rabie gegründet wurde. Obwohl es die Hatchimals seit kurzer Zeit zu kaufen gibt, gehören sie schon jetzt zu den Verkaufsschlagern.

Clementoni: Heimspiel
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Auch aus der Spielwaren-Welt ist „König Fußball“ nicht wegzudenken – der Fußball-Manager „Heimspiel“ schafft es ebenfalls unter die besten zehn Spielzeuge. Bei dem Strategie-Spiel müssen die Spieler ihre eigene Mannschaft aufstellen, taktieren und ihren Kader durch Käufe und Verkäufe möglichst gut zusammenstellen. Vertrieben wird das Spiel, das mit einer Altersempfehlung ab zwölf Jahren besonders Jugendliche und Erwachsene ansprechen soll, von Clementoni Deutschland.

Revell: Revell Junior Kit
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Mit den Modellbausätzen der US-Firma Revell sollen besonders Kleinkinder angesprochen werden. Durch einen speziellen Schraubmechanismus können die Fahrzeuge ohne Kraftaufwand zusammengebaut werden, da sie einfach ineinander gelegt werden und mit extra-großen Schrauben ausgestattet sind. Durch diese Technik sind die Modelle bereits für Kinder ab vier Jahren geeignet – und schaffen es auch deshalb unter die besten zehn Spielzeuge.

Lego: Nexo Knights – Jestros Vulkanfestung
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Auch Lego gehört in einem Großteil deutscher Kinderzimmer zum Standardreportoire, ist aber auch bei immer mehr Erwachsenen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Vulkanfestung ist dabei nur eines von vielen Angeboten des dänischen Lego-Konzerns, der weltweit erfolgreich ist und erst vor einigen Tagen seine erste Produktionsstätte in China eröffnet hat. Unter den beliebtesten Spielzeugen 2016 darf Lego ebenfalls nicht fehlen.

Die Smartphone-App Pokémon Go hat vergangenen Sommer viele Menschen auf die Straßen gebracht, Bewegung war Spielprogramm. Smartphone oder Tablet und Dienste wie Whatsapp oder Instagram seien zwar aus dem Leben gerade von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken, heißt es auf der Webseite. Doch ohne Digitales soll es auch gehen, denn dazu kämen ja steigende Erwartungen an die schulischen Erfolge. „Diese digitale und mentale Belastung führt zu Stress.“

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„Jedes fünfte Kind übergewichtig“
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