Spielwarenfabrik Bruder
„Die Kinder kennen das Original“

Eine fränkische Spielzeugfirma behauptet sich gegen Billigkonkurrenz aus Asien: das Fürther Unternehmen Bruder. Die Firma stellt nicht irgendwelche Plastikautos her. Bruder hat sich auf Nutzfahrzeuge spezialisiert, die den Originalen täuschend ähnlich sehen. Und hat damit Erfolg.

MÜNCHEN. Paul Heinz Bruder gehört gewiss nicht zu jenen Managern, die sich dauernd über den Standort Deutschland beschweren. „Ich kann es schon verstehen, dass die Arbeiter in den letzten Wochen für mehr Geld gekämpft haben“, sagt der Chef der Fürther Spielwarenfabrik Bruder. „Schließlich sind wir im Aufschwung, und vielen Unternehmen geht es gut.“

Es sind Töne, wie sie die meisten Wirtschaftsführer angesichts des jüngsten Tarifabschlusses in der Metallindustrie am liebsten nicht hören wollen. Eigentlich hätte auch der 47-jährige Bruder allen Grund, über die Kosten in Deutschland zu schimpfen. Schließlich tritt er mit seinem in Fürth produzierten Plastikspielzeug frontal gegen Billiganbieter aus Fernost an. Ob Puppen, Autos oder Bilderbücher: Die meisten Spielwaren kommen schon seit Jahren aus China.

Doch Bruder klagt nicht. Im Gegenteil. „Wir wachsen vor allem im Export. Das zeigt doch, dass wir hier in Fürth wettbewerbsfähig sind“, sagt der Mann mit den markanten Koteletten. Die Zahlen unterstreichen das: Letztes Jahr ist sein Umsatz um knapp ein Fünftel auf 42 Mill. Euro gestiegen. Dieses Jahr soll es genauso kräftig nach oben gehen.

Eigentlich dürfte es das, was Bruder in Fürth macht, gar nicht mehr geben. Denn die 1926 gegründete Firma stellt Nutzfahrzeuge aus Plastik her. Ausgerechnet Plastik – damit fing doch die Invasion der Asiaten in die deutschen Kinderzimmer vor 30 Jahren an. Sein Werk hat Bruder zudem ausgerechnet in Bayern, an einem der teuersten Standorte in ganz Europa. Nicht weit entfernt von den Fabrikhallen des Mittelständlers im Fürther Vorort Burgfarrnbach sitzen die profitabelsten Bereiche von Siemens – eines Konzerns, der mit Milliarden jongliert, gut verdient und entsprechend ordentliche Löhne zahlen kann.

Doch das Familienunternehmen stellt nicht irgendwelche Plastikautos her. Bruder hat sich auf Nutzfahrzeuge spezialisiert, die den Originalen täuschend ähnlich sehen. „Die Kinder können gut unterscheiden, ob ein Müllauto oder ein Bagger realistisch ist oder nicht“, sagt Bruder. Deshalb hat sich der Unternehmer Lizenzen von Lastwagenbauern wie MAN und Mercedes, von Traktorenherstellern wie Claas und John Deere und von der Baumaschinenbranche gesichert. Dazu stellt er Zubehör her, wie es niemand anderes in der Branche macht. Da gibt es Anhänger, Pflüge, ja ganze Saatmaschinen. Dazu leuchtet das Plastik, als käme es direkt aus der Lackiererei von MAN. Das fasziniert die Zielgruppe der vier- bis achtjährigen Jungs. Die Fabrik mit ihren 250 Mitarbeitern ist so produktiv, dass sich trotz des schwachen Dollars sogar der Export nach Amerika lohnt.

Bruder ist nicht der einzige Hersteller im Fränkischen, der sich erfolgreich gegen die Asiaten wehrt. Auch Playmobil und Big produzieren ihr Plastikspielzeug noch in der Heimat. Nur die Eltern haben oft so ihre Mühe mit den Lastern und Baggern aus Fürth. Denn die Maschinen sind dazu geeignet, jedes Kinderzimmer zu verstopfen. Ein Traktor mit Anhänger ist um die 80 Zentimeter lang. Und der neue MAN-LKW im gelben DHL-Look kommt auf einen halben Meter.

Darum gibt es seit einigen Jahren von Bruder auch eine Mini-Serie im Maßstab 1:128. Diese Schlepper und Laster aus Metall sind so klein, dass sie sich als Schlüsselanhänger verwenden lassen. Und sie kommen nicht aus der eigenen Fabrik, sondern von einem Lieferanten aus China. Denn Bruder ist realistisch: „Manche Produkte können Sie heute wirklich nicht mehr hier herstellen.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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