Spielwarenhersteller
„Heuschrecken“ im Kinderzimmer

Wenn die Tage kürzer werden, dann glänzen die Kinderaugen wieder. In den Schaufenstern der Spielwarengeschäfte strahlen die Puppen, blitzen die Rennautos, thronen die Lego-Ritterburgen. Was die Kleinen nicht sehen können, ist der harte Wettbewerb, der in der Spielwarenbranche tobt. Im Weihnachtsgeschäft entscheidet sich, wer den richtigen Weg eingeschlagen hat.

MÜNCHEN. Die deutsche Spielwarenindustrie ist in Bewegung wie nie zuvor: Bei den einen fallen „Heuschrecken“ ein, andere werden von Aktionären aus Amerika gekapert. Wieder andere berappeln sich gerade mühsam wieder.

Die Anbieter trifft hart, dass es immer weniger Kinder in Deutschland gibt. Hinzu kommt: Die Kleinen pfeffern ihr Kinderspielzeug immer früher in die Ecke und ersetzen es durch Handys. Hersteller und Handel wären schon zufrieden, wenn der Umsatz mit klassischen Spielwaren von zuletzt 2,3 Milliarden Euro in diesem Jahr einmal nicht zurückginge.

Ob es klappt oder nicht, entscheidet sich in diesen Wochen des Weihnachtsgeschäfts – ein Blick hinter die Kulissen vier großer deutscher Spielzeug-Marken.

Playmobil: Die erfolgreichen Patrioten

So sieht Wachstum aus: In langen Reihen steht eine Spritzgussmaschine neben der anderen. Alleine 120 Maschinen hat die Firma Playmobil in ihre neueste, in diesem Sommer eröffnete Fabrikhalle gepackt. Rund um die Uhr spucken die Automaten Bauteile für Kinderträume aus: Dinosaurierbeine, Flugzeugflügel, Hubschrauberfrontscheiben.

Auf dem flachen fränkischen Land in Dietenhofen, eine halbe Stunde südwestlich von Nürnberg, produziert der Mittelständler jeden Tag fünf Millionen Plastikteile. Kein anderer deutscher Spielzeugproduzent war in den vergangenen Jahren so erfolgreich wie das Familienunternehmen Geobra Brandstätter. „Wir sind stolz darauf, dass wir mit nur einem Produkt und einer kleinen Zielgruppe auf 8,6 Prozent Marktanteil kommen“, sagt Andrea Schauer, die Geschäftsführerin.

In 30 Jahren haben sich die Ritter, Bauarbeiter und Polizisten aus Plastik einen festen Platz in deutschen Kinderzimmern erobert. Aber Playmobil gelang es auch, neue Märkte zu erobern. Nur 40 Prozent des Umsatzes von zuletzt 361 Millionen Euro stammen noch aus dem Inland.

Auch gelang es Playmobil, die Zielgruppe auszuweiten. „Ursprünglich waren wir eine reine Jungen-Marke“, sagt Schauer. „Doch jetzt liegt der Anteil der Mädchen schon bei 35 Prozent.“ Früher dominierten Indianer und Briefträger. Nun gibt es ein Puppenhaus in Pink, eine Gärtnerei und Schneewittchen.

Die Franken sind einer der wenigen Anbieter, die in großem Stil in Deutschland fertigen. Zuletzt flossen jedes Jahr 50 Millionen Euro in neue Maschinen. „Nur wenn wir effizient arbeiten, können wir uns den Standort Deutschland leisten“, sagt Geschäftsführerin Schauer.

Investiert hat die Firma auch in ihr jüngstes Projekt, den „Fun Park“ neben der Zentrale in Zirndorf. Der Freizeitpark unterscheidet sich von Wettbewerbern wie „Legoland“ darin, dass er auf Schnickschnack wie Achterbahnen verzichtet. Stattdessen dürfen sich die Kinder in großen Playmobil-Landschaften austoben.

Mit einem Eintrittspreis von fünf Euro ist der „Fun Park“ konkurrenzlos günstig. In diesem Jahr strömten 750 000 Besucher in das Gelände mit seiner Ritterburg, dem Piratenschiff und dem Baumhaus.

Seite 1:

„Heuschrecken“ im Kinderzimmer

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%