Spielwarenhersteller
Lego kommt mit dem Klötzchenpressen nicht nach

Der dänische Spielwarenkonzern Lego kann ausgerechnet zu Weihnachten nicht alle Wünsche seiner kleinen (und großen) Fans erfüllen. Damit sind die Dänen ganz offensichtlich vom eigenen Erfolg überrascht worden, nachdem es bei den Klötzchenbauern aus Billund jahrelang schwer kriselte.

HB BILLUND. Wie Verkaufschef Mads Nipper am Montag am Stammsitz Billund angab, ist die Nachfrage nach den klassischen Bausteinsystemen wie Duplo und Lego City „sehr viel stärker gestiegen als erwartet“. Deshalb werde es „den einen oder anderen Engpass geben“. Nipper versicherte aber auch: „Kein Kind wird vor dem Weihnachtsbaum weinen, weil die versprochene Feuerwehrstation nicht aufzutreiben ist. Die Eltern müssen aber eventuell in zwei oder drei Geschäften nachfragen.“

Lego war nach dem jahrzehntelangen Siegeszug seiner patentierten Bausteine in den neunziger Jahren kräftig ins Trudeln geraten, weil Kinder überall auf der Welt lieber an Computern spielten statt Türme zu bauen. Alle möglichen Anläufe zur Anpassung an diesen Trend mit komplizierter Elektronik rund um Legosteine schlugen fehl und ließen die Verluste in Besorgnis erregende Höhen klettern.

Neben dem Verkauf aller vier Legoland-Familienparks und der Auslagerung der Produktion ins billigere Osteuropa verordnete die Eigner-Familie Kristiansen zusammen mit einer extrem verjüngten Führungscrew auch eine „Rückbesinnung“ auf das klassische Geschäft mit den Bausteinen.

„Wir haben die anderen Sachen zu sehr miteinander vermischt“, meint Nipper dazu. Nun solle eine Polizeiwache wieder wie eine Polizeiwache aussehen und ein Baukran wie ein Baukran. Die Rückkehr zur reinen Baustein-Lehre brachte in diesem Jahr schon mit Umsatzsteigerungen um zehn Prozent gegenüber 2005 verblüffende Resultate. Auch für die Lego-Führungscrew war das offenbar so verblüffend, dass sie zum Weihnachtsgeschäft davon überrollt wurde.

In dem hierfür aus Lieferantensicht entscheidenden dritten Quartal werde man nur um fünf Prozent wachsen, erklärt der Verkaufschef. Ohne die bedauerlichen Kapazitätsengpässe wären es gut und gern zehn Prozent gegenüber dem auch schon hervorragenden Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres gewesen.

Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Abnehmer für die dänischen Bausteine, die nun zunehmend in Tschechien und Ungarn gegossen werden. „Der deutsche Markt hat für uns allerhöchste Priorität“, beteuert Nipper auf die Frage nach möglicherweise schwitzend und genervt durch Spielzeugläden hastende Eltern auf der Suche nach „dem“ Lego-Geschenk für Heiligabend.

Trotz aller Begeisterung über die jüngsten Nachfragesteigerungen stellen sich die Dänen darauf ein, dass der klassische Spielzeugmarkt auf lange Sicht rückläufig bleibt. Mit einem bis drei Prozent Schrumpfung pro Jahr wird in Billund gerechnet. Die schon 2005 wieder eingefahrenen Gewinne sollen trotzdem kräftig steigen: In drei bis vier Jahren ist die Produktion per Outsourcing an Flextronics zu 80 Prozent nach Osteuropa verlagert. Das sei, so Nipper, nicht nur viel billiger, sondern eben auch flexibler: „Unsere Weihnachtsprobleme liegen nicht zuletzt daran, dass wir uns hier in Billund zu wenig anpassen können. Weder nach unten noch nach oben.“

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