Spielzeug-Hersteller muss sich gesundschrumpfen
Käufer für Legoland gesucht

Weil Kinder weltweit immer weniger herkömmlich spielen und mehr vor Computern sitzen, aber auch wegen hoher Verluste bei „Legoland Deutschland“ im bayerischen Günzburg sowie weiteren Freizeitparks in Großbritannien und Kalifornien läuten in der Zentrale in der Kleinstadt Billund eine Autostunde nördlich der dänisch-deutschen Grenze die Alarmglocken.

HB KOPENHAGEN/BILLUND. Nach goldenen Jahrzehnten dank der genialen Bauklotz-Idee eines dänischen Tischlers muss der Spielwarenkonzern Lego um sein Überleben kämpfen.

„Unser neuer Plan wird entscheiden, ob Lego als selbständiges Unternehmen überlebt“, sagte der der 35-jährige Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp bei seinem Amtsantritt letzte Woche. Dass sein Vorgänger Kjeld Kirk Kristiansen (56) als Oberhaupt der alleinigen Lego-Eignerfamilie Kristiansen einen ansonsten weitgehend unerprobten Mann aus den Reihen des Unternehmensberaters McKinsey holte, wird von Beobachtern schon als Programm gewertet. 1,5 bis 2 Milliarden Kronen (200 bis 270 Millionen Euro) Verluste erwartet der Konzern bei einem Umsatz von 8 Milliarden Kronen in diesem Jahr. 2002 hatte Lego weltweit noch über 11 Milliarden Kronen umgesetzt.

Lego ist viertgrößter Spielzeughersteller der Welt. Dass auch der Marktführer Mattel in den USA und die anderen Konkurrenten schrumpfende Umsätze wegen veränderten Spielverhaltens von Kindern beklagen, will Knudstorp als Trost nicht gelten lassen. „Lego ist bisher sowohl gegenüber den Kunden wie den Mitarbeitern arrogant gewesen“, meint der junge neue Chef. Er sagt den nach 1 000 Stellenstreichungen in diesem Jahr noch 8 000 Beschäftigten unverblümt harte Zeiten voraus.

Die bisher vor allem im Stammland sowie in der Schweiz, den USA und Tschechien angesiedelte Produktion soll aus Kostengründen nun massiv nach China verlagert werden. Die Freizeitparks, von denen lediglich der älteste am Stammsitz Billund gut läuft, werden aus dem Konzern ausgegliedert und zunächst von der Familie Kristiansen in einem eigenen Unternehmen betrieben.

Langfristig sollen die wenig erfolgreichen Milliarden-Investitionen in der nordschwäbischen Stadt Günzburg, im britischen Windsor bei London und im kalifornischen Carlsbad aber ganz oder wenigstens teilweise in den Händen interessierter Käufer landen.

Mit jährlich rund 1,3 Millionen Besuchern im bayerischen Legoland habe Günzburg so viel Touristen wie das Märchenschloss Neuschwanstein, gab sich ein Sprecher der Stadt Günzburg zuversichtlich, dass sich trotz der Verkaufsabsichten nichts ändert.

„Es besteht kein Zweifel, dass es viele Interessenten gibt“, verbreitet Lego-Sprecherin Charlotte Simonsen optimistisch. Ähnliches ließe sich wohl auch schon für das Kernunternehmen mit einem der stärksten Markennamen der Welt nennen. Kristiansen, dessen Großvater 1932 in seiner Werkstatt im Dörfchen Billund die ersten Holzspielzeuge baute und den Namen Lego aus dem dänischen „leg godt“ („Spiel gut“) zusammensetzte, hat gerade erst 800 Millionen Kronen an zusätzlichem Eigenkapital aus Familienvermögen bereitgestellt. Ob er das noch mal tun will, mochte er bei der Vorstellung des neuen Konzernchefs nicht sagen.

Für die dänische Wirtschaftspresse war danach klar, dass Legos Tage als eigenständiges Unternehmen gezählt sind, wenn nicht spätestens übernächstes Jahr schwarze Zahlen geschrieben werden. Nach fast einem Jahrzehnt mit ständig wechselnden Strategien gegen die Konkurrenz von PC-Spielen, genau so häufig wechselnden Spitzenmanagern und immer schlechteren Bilanzzahlen meinte die größte dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ zum Wochenauftakt: „Vielleicht ist es zu spät, Lego aus der schlimmsten Krise der Konzerngeschichte zu retten.“

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