Spitzel-Affäre
Neue Vorwürfe gegen Zumwinkel

Die Spitzel-Affäre bei der Telekom zieht weitere Kreise. Jetzt wurde bekannt: Die Konzernspitze wollte offenbar einen Maulwurf in die Redaktion des Magazins Capital einschleusen.

DÜSSELDORF. In der Telekom-Spitzel-Affäre sind neue Unterlagen aufgetaucht, die den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke belasten. Das Magazin Spiegel zitiert aus einer Aktennotiz, die der ehemalige Abteilungsleiter der Konzernsicherheit, Klaus Trzeschan, Ende 2005 angefertigt hat. Darin hält Trzeschan fest, Zumwinkel und Ricke hätten ihn beauftragt, einen Spitzel in die Redaktion des Magazins Capital einzuschleusen und dafür zu bezahlen. "Auf Weisung von Herrn Dr. Zumwinkel ist die Abwicklung der Ausgleichszahlung genauso diskret und geräuschlos abzuwickeln wie der gesamte Ermittlungskomplex" zitiert der Spiegel aus dem Memo. Nachverfolgbare Spuren, z.B. durch Nachvollziehen von Zahlungsströmen, sollten verschleiert werden.

Die Spitzel-Affäre bei der Telekom wurde Anfang 2005 durch einen Bericht von Capital über Interna des Konzerns ausgelöst. Der damalige Vorstandsvorsitzende Ricke erteilte daraufhin den Auftrag, nach der undichten Stelle im Konzern zu suchen. Er habe dabei keine illegalen Methoden angeordnet oder davon gewusst, erklärte Ricke. Fest steht jedoch, dass genau das anschließend geschah: Telekom-Mitarbeiter verglichen Telefonate des Capital-Autors und eines Aufsichtsrates. Die Telekom erstattete im vergangenen Mai Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft hat Telefonate von rund 60 Personen auf den Schnüffel-Listen gefunden.

Selbst die Telekom hegt inzwischen Verdacht gegen ihren einstigen Chefkontrolleur. Auf der Hauptversammlung im Mai will sie vorschlagen, Zumwinkel die Entlastung zu verweigern. "Das ist ein symbolischer Akt, der zeigen soll, dass wir Zweifel an dem ordnungsgemäßen Ablauf des Geschäfts haben", erklärt ein Sprecher. Der Konzern prüft Schadensersatzansprüche gegen Zumwinkel und Ricke.

Auch die Staatsanwaltschaft versucht weiter, die beiden Manager zu überführen. In der vergangenen Woche durchsuchten Beamte Zumwinkels Burg am Gardasee, sein ehemaliges Haus in Köln und sein früheres Büro bei der Post, deren Chef er war. Sie beschlagnahmten einen privaten Laptop sowie einen PC. Auch Rickes neuen Wohnsitz in der Schweiz und das Haus seiner Frau am Ammersee filzten die Behörden. Sie zogen Kopien von Festplatten seines Rechners sowie dem seines Sohnes.

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