Spitzengespräche mit Politikern
Zukunft deutscher Airbus-Standorte offen

Auch nach Spitzengesprächen mit der Politik ist das Schicksal der deutschen Airbus-Standorte ungewiss. Die Spitze des EADS-Konzerns hat Bundes- und Landespolitikern offenbar aber zumindest eine faire Lastenverteilung zwischen deutschen und französischen Standorten bei der Airbus-Sanierung zugesagt.

HB BERLIN. „Der Vorstand hat noch keine abschließenden Entscheidungen getroffen“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Dienstag nach einem Treffen mit Airbus-Chef Louis Gallois und dem Co-Vorsitzenden des Mutter-Konzerns EADS, Thomas Enders, in Berlin. Voraussichtlich könne die Spitze des deutsch-französisch dominierten Flugzeugbau-Konzerns in der kommenden Woche das Airbus-Sanierungskonzept „Power8“ den Betriebsräten vorlegen. Ein genaueres Datum wurde nicht genannt. Ursprünglich war für die Veröffentlichung der 20. Februar geplant. Die Gewerkschaften befürchten den möglichen Verlust von 5000 bis 8000 Arbeitsplätzen der insgesamt rund 23 000 Airbus-Beschäftigten in Deutschland.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der sich zuvor mit der Konzernspitze getroffen hatte, drohte im ZDF, erneut mit Konsequenzen bei der Auftragsvergabe, falls die Sanierung des Konzerns die deutschen Standorte übermäßig belaste. Deutschland sei für den EADS-Konzern auf dem militärischen Sektor der größte Auftraggeber. Verhandlungs-Ziel für Airbus sei, „dass deutsche Standorte nicht überdurchschnittlich zur Ader gelassen werden“. Dazu werde man die „deutschen Kräfte bündeln“. So könne man auch im Bereich der Auftragsvergabe und Vergabe von Fördermitteln Einfluss nehmen. „Wir werden selbstbewusst in die Verhandlung gehen.“

Wulff stellte indessen eine „Innovationspartnerschaft“ im Bereich Forschung und Entwicklung „mit massivem staatlichen Engagement“ in Aussicht. Er sei der festen Überzeugung, dass die Luft- und Raumfahrt eine der größten Zukunftsbranchen sei. Hauptforderung der deutschen Seite sei, dass wichtige Kompetenzfelder hier bleiben und man nicht zu einer „verlängerten Werkbank“ der Franzosen wird. „Am Ende wollen wir weiter Weltmarktführer sein beim Bau von Passagierflugzeugen“, sagte Wulff. Die Erfolgsstory des Konzerns müsse fortgeschrieben werden.

Nach seinen Worten überlegt der Unternehmens-Vorstand, Netzwerke zu schaffen und bei einzelnen Airbus-Standorten Partner mit ins Boot zu holen. Allerdings erläuterte der Ministerpräsident diese Pläne nicht weiter. Ähnlich hatte Glos am Vortag dargelegt, man müsse bei den Entscheidungen auch die Aufträge an Zulieferer und deren Arbeitsplätze in die Überlegungen mit einbeziehen. Er begründete dies damit, dass bei der anstehenden Airbus-Restrukturierung ein Abbau der Arbeitsplätze an den deutschen und französischen Werken im Verhältnis 1:1 nicht möglich sei.

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