Spitzenreiter
Autos treiben türkischen Export

Die türkischen Autobauer laufen der Textilbranche den Rang ab: In diesem Jahr wird die Automobilindustrie erstmals zum größten Exporteur des Landes werden. Bis 2010 will das Land unter die ersten Zehn der weltweiten KFZ-Produzenten aufrücken. Auch die Zulieferer wachsen.

ISTANBUL. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (OSD) produzierten die türkischen Hersteller in den ersten fünf Monaten dieses Jahres fast 438 000 Fahrzeuge, eine Steigerung von 8,6 Prozent. Die Ausfuhren legten sogar 36 Prozent auf 6,22 Mrd. Dollar zu und ließ damit die bisher beim Export führende Textilindustrie mit 3,13 Mrd. weit hinter sich. Mehr als 70 Prozent der Autoproduktion gingen in den Export. Wichtigste Absatzmärkte sind Italien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien.

Wer in der EU einen Toyota Corolla, Honda Civic oder Hyundai Accent kauft, erwirbt höchstwahrscheinlich ein Auto „Made in Turkey“. Die Renault-Modelle Megane und Clio sowie die Kleintransporter Ford Transit Connect und Fiat Doblo werden sogar ausschließlich in Anatolien produziert. Als erste entdeckten die deutschen Hersteller Mercedes-Benz und MAN Mitte der 60er-Jahre den Produktionsstandort Türkei und bauten dort Montagelinien auf. MAN fertigt in einem Werk bei Ankara jährlich rund 4 000 Busse und Lkw. Daimler-Chrysler betreibt im zentralanatolischen Aksaray eine auf 16 000 Einheiten pro Jahr ausgelegte LKW-Produktion.

Ihre Reisebusfertigung haben die Stuttgarter sogar komplett in die Türkei verlegt, nämlich nach Hosdere bei Istanbul. „Wir produzieren hier auf dem selben Qualitätsniveau wie unsere Fabriken in Deutschland“, sagt Jürgen Ziegler, Chef von Mercedes-Benz Türk. Was macht die Türkei als Standort so interessant? „Die Lohnkosten liegen hier bei sieben bis neun Euro pro Stunde, gegenüber 34 bis 35 Euro im EU-Durchschnitt“, erklärt Ziegler. „Außerdem sind hier 45 Wochenstunden und die Sechs-Tage-Woche noch die Regel.“ Neben den Kostenvorteilen sprächen aber auch die hohe Motivation und Qualifikation der Beschäftigten für die Türkei, unterstreicht der Mercedes-Manager. Nach 13 000 Lastwagen im vergangenen Jahr will Mercedes-Benz Türk 2007 bereits 16 000 Laster ausliefern. „Wir profitieren nicht zuletzt von der guten Baukonjunktur auf dem türkischen Binnenmarkt“, sagt Ziegler.

Noch stärker als die Nutzfahrzeugproduktion dürfte in den kommenden Jahren der PKW-Sektor wachsen. Größte Hersteller sind Tofas, ein Joint-Venture von Fiat mit der größten türkischen Unternehmensgruppe Koc, Ford Otosan, ebenfalls ein Joint Venture von Koc mit Ford Motors und Oyak Renault, ein Gemeinschaftsunternehmen von Renault mit der türkischen Streitkräfte-Holding Oyak. Die türkische Automobilbranche hat eine rasante Entwicklung hinter sich: 1963 fing es mit gerade mal 3 000 produzierten Fahrzeugen an, 2003 rollten 562 000 Autos von den Bändern, und 2006 wurde erstmals die Marke von einer Million Fahrzeugen überschritten. „Damit liegen wir auf Platz 16 der Weltrangliste“, sagt Ercan Tezer, Generalsekretär des Automobilverbandes OSD.

Seite 1:

Autos treiben türkischen Export

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%