Sponsorenverlust
Autoindustrie löst sich von der Formel 1

Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Hochglanzwelt der Formel-1-Welt nicht halt. Prestigeprojekte wie das Saisonfinale in Abu Dhabi können nicht darüber hinweg täuschen, dass der Autobranche die Gelder, die sie in die Rennserie stecken, schmerzen. Allerdings sind auch ökologische Aspekte dafür verantwortlich, dass sich immer mehr Sponsoren zurückziehen.

MÜNCHEN/TOKIO. Der Exodus der Sponsoren in der bekanntesten Rennserie der Welt hält an. Am Montag kündigte Bridgestone, seit zwölf Jahren offizieller Reifenausrüster der Formel 1, seinen Ausstieg an. "Das Unternehmen hat entschieden, als Teil einer veränderten Geschäftsstrategie seine Ressourcen anders zu verteilen", teilte ein Sprecher des Konzerns in Tokio mit. Mit der aktuellen Wirtschaftssituation habe der Ausstieg nichts zu tun, betonte er. Der größte Reifenproduzent der Welt hat im ersten Halbjahr tiefrote Zahlen geschrieben.

Die Wirtschaftskrise hat den Rennzirkus der Formel 1 aber voll erwischt, wichtige Teams und Geldgeber sind weg. 2008 stieg Honda aus; BMW hat den Rückzug für die kommende Saison verkündet; Daimler will den Motorsportetat von geschätzten 200 Mio. Euro halbieren; Toyota entscheidet am 15. November über den Verbleib in der Formel 1; Renault gilt als Wackelkandidat.

Die Gründe für den Ausstieg gleichen sich, die Rechnung für die Unternehmen geht nicht mehr auf. "Win on Sunday, sell on Monday", hieß es lange Zeit in der Formel 1. Doch zu wenige Teams werden ihren Siegeransprüchen gerecht. In der Wirtschaftskrise funktioniert der erhoffte Marketingtransfer nicht, 2009 gehen die Verkäufe der Autohersteller mindestens um zehn bis fünfzehn Prozent weltweit zurück. Zum anderen passt der in der Formel 1 betriebene Aufwand an Geld und Material nicht mehr in das Image einer Autoindustrie, die mit immer schärferen Klimazielen und steigenden Ölpreisen zu kämpfen hat.

"Premium wird immer stärker auch über Umweltverträglichkeit definiert", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer Anfang August, als der Konzern seinen Ausstieg aus der Formel 1 verkündete. Jahrelang fuhren die Bayern in der Königsklasse nur hinterher - und steckten trotzdem jedes Jahr einen "niedrigen dreistelligen Millionenbetrag" in die Formel 1. Das Geld wollen die Münchener jetzt in grüne Marketingkampagnen und spritsparende Autos stecken.

Der Ausstieg von Bridgestone ist ein herber Schlag für die Teams, denn Reifen haben in der Formel 1 eine zentrale Bedeutung: Nur spezielle Gummimischungen halten den Belastungen stand und ermöglichen hohe Kurvengeschwindigkeiten. 55 Mio. Euro gaben die Japaner jedes Jahr für die Entwicklung und Lieferung der Spezialreifen aus.

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