Sponsoring-Affäre: Staatsanwaltschaft durchsuchte Vorstandsbüro

Sponsoring-Affäre
Staatsanwaltschaft durchsuchte Vorstandsbüro

Jetzt wird ein neues Detail der Sponsoring-Affäre bei Volkswagen bekannt. Die Ermittler durchsuchten auch ein Büro des Einkaufsvorstandes Gario Sanz, einem engen Vertrauten von VW-Chef Martin Winterkorn.
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Stuttgart, HamburgIn der Sponsoring-Affäre zwischen Volkswagen und der Deutschen Telekom hat die Staatsanwaltschaft auch das Büro von Volkswagens Einkaufs-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz durchsucht. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Die Ermittler sehen den Spanier aber als Zeugen, nicht als Verdächtigen. "Die Ermittlungen laufen nicht gegen Vorstandsmitglieder des VW-Konzerns", sagte die zuständige Stuttgarter Staatsanwältin Claudia Krauth. Generell nenne sie nicht die Namen von Beschuldigten. Es sei aber auch wichtig, dass keine falschen Namen auftauchten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Einkäufer aus dem Bereich von Sanz. Volkswagen will sich in der Sache generell nicht zu einzelnen Personen äußern.

Die Affäre war in der vergangenen Woche öffentlich geworden. Dabei geht es darum, dass die Telekom-Tochter T-Systems offenbar einen Sponsoring-Vertrag mit dem VfL Wolfsburg über vier Millionen Euro verlängern wollte, um im Gegenzug neue Aufträge von Volkswagen zu erhalten. Der Fußballclub gehört Volkswagen, Einkaufsvorstand Sanz ist Aufsichtsratschef beim VfL.

Die Deutsche Telekom zeigte den Vorfall Ende vergangenen Jahres bei der Staatsanwaltschaft an und zog bereits personelle Konsequenzen: Der erfolgreiche Vertriebsvorstand von T-Systems, Joachim Langmack, musste den Konzern verlassen. Er hat sich nach Angaben der Telekom über einen Vorstandsbeschluss hinweg gesetzt, wonach der Sponsoring-Vertrag nicht verlängert werden sollte.

Francisco Javier Garcia Sanz ist ein enger Vertrauter von VW-Chef Martin Winterkorn. Als Einkaufschef ist er  für ein jährliches Beschaffungsvolumen von mehr als 70 Milliarden Euro verantwortlich. Seit fast zehn Jahren sitzt er im Konzernvorstand.

Ende 1996 wurde der Manager Beschaffungsvorstand der Marke VW. Er gehört zu den sogenannten Kriegern des umstrittenen spanischen Konzernvorstands José Ignacio López. Der stand vor Jahren mitten im Visier der Staatsanwälte: Er soll Akten und Disketten mit Einkaufsdaten von US-Konkurrent GM mit zu VW gebracht haben - das löste die sogenannte López-Affäre um angebliche Industriespionage aus. López trat 1996 zurück.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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