Sponsoring
Mercedes steigt in Kitzbühel aus

Nach zehn Jahren ist es aus zwischen Mercedes und Kitzbühel: Der Stuttgarter Autobauer beendet sein Sponsoring für den Tiroler Nobelskiort. Denn die Mercedes-Präsenz sorgte für Streit mit der örtlichen Politik.
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WienIm Millionärsparadies Kitzbühel geht ein jahrelanger Streit über die Präsenz von Mercedes auf öffentlichen Plätzen geht zu Ende. Denn die Kooperation zwischen dem Stuttgarter Autohersteller Daimler und dem Tourismusverband des österreichischen Skiortes wird nach zehn Jahren zum 30. Juni beendet. Das bestätigte Mercedes dem Handelsblatt. „Unser Marketing hat eine neue strategische Ausrichtung beschlossen. Daher gibt es keine Partnerschaften mehr mit Tourismusverbänden“, sagte ein Sprecher des Stuttgarter Autokonzerns.

Die großen SUVs und der Werbecontainerturm im idyllischen Stadtbild lösten einen politischen Streit im noblen Ferienort aus. Der parteiunabhängige Gemeinderat Thomas Nothegger sagte dem Handelsblatt: „Laut unserem Wissen gibt es keinerlei Gemeinderatsbeschluss, der die kommerzielle Nutzung für den öffentlichen Raum als Kooperationsgegenleistung für Mercedes erlaubt.“ Einer seiner Kritikpunkte ist die mangelnde Transparenz des Nutzungsvertrages. Das bestätigte auch der Gemeinderat Alexander Gamper (FPÖ).

Der Rückzug der Marke in Kitzbühel war von Insidern erwartet worden. „Die Entscheidung von Mercedes hat mich nicht überrascht, weil die Partnerschaft nicht besonders intensiv gelebt wurde“, sagte Sebastian Witzmann, Aufsichtsrat des Tourismusverbandes Kitzbühel, dem Handelsblatt.

Für die Nutzung der öffentlichen Flächen in der malerischen Altstadt soll der Tourismusverband in Kitzbühel nach österreichischen Medienberichten jährlich 100.000 Euro erhalten haben. Darüber hinaus sollen die Stuttgarter mit weiteren 50.000 Euro den Sportpark mit Eisstadion in der Kleinstadt finanziert haben. Diese Summen wollte ein Mercedes-Sprecher jedoch nicht bestätigen. Zur Höhe des finanziellen Engagements in den vergangenen zehn Jahren machte er keine Angaben.

Vollständig wird die Marke aber nicht aus Kitzbühel verschwinden. Mercedes schließt nach Unternehmensangaben stattdessen Verträge mit einzelnen Luxushotels, darunter das Hotel Kempinski und der Kitzbühel Country Club. In Kitzbühel besitzt der Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp, der einst den Kooperationsvertrag mit Kitzbühel initiiert hatte, ein Ferienhaus.

Im Ort gibt es bereits Spekulationen, dass Audi in die Lücke der Stuttgarter bei der Kooperation mit dem Tourismusverband springen wird. Der der Ingolstädter Autokonzern sind seit Jahren Sponsor des Skirennens auf der Kitzbüheler Streif und vielfach im Nobelskiort präsent. Audi ist schon bislang Kooperationspartner der Bergbahn AG Kitzbühel des örtlichen Skiklubs von „Kitz“, wie der Skiort von seinen Aficionados liebevoll genannt wird. Darüber hinaus gibt es mit der Skischule „Element 3“ eine Partnerschaft.

Die „Audi Night“, ein gesellschaftliches Highlights des Hahnenkamm-Rennens, fiel in diesem Jahr aus. Auf dem roten Teppich des Fünf-Sterne-Hotels „Die Tenne“ standen in früheren Jahren zahlreiche Vorständen aus dem Volkswagen-Konzern, sogar der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn. „Wir haben uns entschieden, alles ein wenig reduzierter zu machen“, sagte eine Audi-Sprecherin in Ingolstadt am Freitag. Die „Audi Night“ soll nach Unternehmensangaben neu erfunden werden.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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