Am Sonntag beginnt in München die Ispo, die weltweit größte Sportartikelmesse. Mehr als 2300 Aussteller präsentieren Kleidung, Geräte, Accessoires. Erstmals sind mehr als 400 von ihnen unter dem Begriff „Action Sport“ zusammengefasst. Um dem Extremsport-Trend gerecht zu werden und um sich von den traditionellen Sportarten abzugrenzen. Hier steht das Erlebnis im Vordergrund – ein gut organisiertes Abenteuer mit einem kleinen Restrisiko.
Die Hersteller profitieren längst von dem Boom der vergangenen Jahre. Und neben Kelly verdienen auch andere Extremsportler prächtig an dem Trend: Jochen Schweizer, der an einem Bungee-Seil für Willy Bogners Film „Fire, Ice and Dynamite“ 1990 von einer Staumauer gesprungen ist, verkauft heute mehr als 1000 verschiedene „außergewöhnliche Erlebnisse“, wie er sie selbst nennt. Bungee-Jumping gehört immer noch dazu. Rund 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr macht sein Unternehmen mittlerweile. Und Ralf Dujmovits, der als erster Deutscher auf den Gipfeln aller 14 Achttausender der Erde gestanden hat, hat nebenbei einen Spezialreiseanbieter gegründet, der Bergsportler auf den Kilimandscharo bringt und ihnen Eisklettern am Montblanc anbietet.
Extreme Sportarten lassen sich besonders gut vermarkten
Amical alpin ist einer der bekanntesten Trekking- und Expeditionsanbieter im Alpenraum, auch dank des berühmten Namens seines Gründers und dessen Frau Gerlinde Kaltenbrunner, eine der besten Bergsteigerinnen der Welt. Kelly, Schweizer und das Ehepaar Dujmovits und Kaltenbrunner profitieren von ihrer Glaubwürdigkeit – und verdienen mit ihr.
Die extremen Sportarten lassen sich besonders gut vermarkten, sagt Werner Starz, Marketingdirektor von Eurosport. Der TV-Sender erreicht mit der Übertragung von Veranstaltungen wie den „X-Games“ jährlich 20 Millionen Zuschauer europaweit.
Warum die Zuschauer Wellenreiten, Skateboarden oder ein Buckelpistenrennen so fasziniert? „Es ist ein Lebensgefühl und eine eigene Kultur. Es geht darum, Regeln zu brechen und sich einer Gefahr auszusetzen, die aber kalkulierbar bleibt“, sagt er.
Ein Abenteuer, das zwar in Erinnerung bleibt, aber nur kurzfristig den Adrenalinspiegel in die Höhe treibt, das ist das Geschäftsmodell von Jochen Schweizer. Der frühere Stuntman, heute 54 Jahre alt, verkauft auf seiner Internetseite, in eigenen Läden und bei 4000 Handelspartnern Erlebnisgutscheine, vom Bungee-Sprung über den Lawinenkurs bis hin zum House-Running. 120 Euro gibt ein Kunde durchschnittlich bei Schweizer aus.