Sportartikel-Hersteller
Reebok-Sanierung braucht mehr Zeit

Gerade ein paar Wochen war Reebok im Frühjahr 2006 unter dem Dach von Adidas, da musste sich Konzernchef Herbert Hainer bereits über den ersten Skandal ärgern. Die US-Tochter hatte ihren Turnschuhen giftige Armreifen beigelegt. Das Problem hat der Manager zwar schnell in den Griff bekommen. Doch die milliardenschwere Akquisition bereitet Hainer bis heute große Sorgen.

MÜNCHEN. Adidas braucht deutlich länger, die angeschlagene Sportmarke Reebok in Fahrt zu bringen als geplant. Der zweitgrößte Sportartikel-Hersteller der Welt wird nach Angaben von Finanzchef Robin Stalker noch einige Zeit für den Umbau der krisengeplagten Tochter brauchen. Die Sanierung werde vom Kaufdatum aus gerechnet vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen, sagte Stalker am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt: "Wir müssen noch beweisen, dass sich die Strategie auszahlt, die wir für Reebok haben." Im Klartext: Adidas braucht im schlimmsten Fall bis 2011, um Reebok auf Kurs zu bringen.

Das Label von der amerikanischen Ostküste entwickelt sich ungleich schwächer, als dies Adidas den Investoren ursprünglich versprochen hatte. Kurz nach dem Kauf für mehr als drei Mrd. Euro im Frühjahr 2006 sagte Hainer im Handelsblatt-Interview: "Uns gehört Reebok jetzt seit drei Monaten. Noch haben wir keine unliebsamen Überraschungen erlebt und wir erwarten auch keine." Mit diesem Ausblick hat sich Hainer getäuscht, mit Reebok ging es seither steil bergab.

Der Umsatz im ersten Quartal 2009 ist auf 458 Mio. Euro gefallen - und damit unter das Niveau von Anfang 2006. Doch damals schafften die Amerikaner ungefähr die gleichen Erlöse in nur zwei Monaten. Zudem schrieb der Turnschuhhersteller zu Jahresbeginn rote Zahlen.

"Eine Marke umzubauen dauert mehr als drei Jahre", dämpfte Finanzvorstand Stalker jetzt die Erwartungen. "Da spielt auch die allgemeine Wirtschaftssituation eine Rolle." Trotz aller Probleme will Adidas auf jeden Fall an Reebok festhalten. Konzernchef Hainer sprach dem US-Ableger zuletzt wiederholt eine Bestandsgarantie aus. Analysten fordern jedoch seit längerem die Trennung. "Das Problem Reebok ist für Adidas nicht zu lösen", sagt etwa der Strategieberater Franz Schmid-Preissler.

Hainer hat viel versucht, um Reebok auf die Beine zu bringen - und dabei hart durchgegriffen. Er tauschte das gesamte Top-Management der Amerikaner aus und strich Hunderte Stellen. Inzwischen führt der langjährige Hainer-Vertraute Uli Becker die Geschäfte. Der Manager steht unter enormem Druck, denn Reebok zieht die Rendite des gesamten Konzerns nach unten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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