Sportartikelhersteller
Adidas baut das Geschäft mit Mode aus

Trikots, kurze Hosen und Turnschuhe: Mit Sportausrüstungen für Fußballfeld und Tartanbahn ist Adidas groß geworden. Doch längst sind es nicht mehr nur Sportler, die die Marke mit den drei Streifen tragen. Adidas hat sich mit seiner luxuriösen Modelinie "Y3" einen festen Platz in den Boutiquen erobert. Jetzt geht der Konzern aus Herzogenaurach den nächsten Schritt und startet eine neue, deutlich günstigere Modekollektion.

HERZOGENAURACH. Der Name ist auf den ersten Blick sperrig: "SLVR" nennt sich der jüngste Großangriff der Adidas-Strategen auf etablierte Sportmodemarken wie Ralph Lauren oder Lacoste. Doch die Abkürzung spricht sich "Silver" und soll so für Kunden auf der ganzen Welt leicht zu merken sein. Mit der Kollektion im Preisbereich von 50 bis 250 Euro wollen die Franken ihr Modegeschäft in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. "Inzwischen sind wir im Modemarkt glaubwürdig", begründet Adidas-Vorstand Erich Stamminger im Gespräch mit dem Handelsblatt den Vorstoß in das neue Segment.

Derzeit erzielt die Traditionsmarke 80 Prozent des Umsatzes mit dem Verkauf von Sportausrüstung. Das entsprach im vergangenen Jahr 6,25 Mrd. Euro. Die restlichen 20 Prozent stammen aus modischen Kollektionen wie "Y3" oder den legeren "Originals" - T-Shirts, Jacken und Hosen im Stil vergangener Jahrzehnte. Damit erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2008 rund 1,5 Mrd. Euro.

Das Verhältnis zwischen den beiden Bereichen soll sich in den nächsten Jahren deutlich ändern. Der Modeanteil solle überproportional wachsen und auf 30 Prozent steigen, sagt Stamminger. Ohne eine neue Kollektion ist das nicht möglich. 2008 stieg der Umsatz mit Sportartikeln währungsbereinigt um 15 Prozent, die Mode hingegen legte lediglich um zehn Prozent zu.

"SLVR" soll dem Lifestyle-Segment neuen Schub geben. Neben der Traditionsmarke Adidas gehören zum Konzern auch Reebok sowie der Golfausrüster Taylormade. Die beiden Sparten haben ihren Sitz in den USA. Insgesamt kam der Konzern vergangenes Jahr auf einen Erlös von rund 10,8 Mrd. Euro.

Dass sich Sportartikelhersteller ins Modegeschäft wagen, ist nicht neu. Adidas-Rivale Puma hatte schon Ende der 90er-Jahre erkannt, dass es außerhalb von Turnhallen und Fußballplätzen viel zu holen gibt: Die Marke mit dem Raubtier-Logo verpflichtete damals die Designerin Jil Sander. Später brachten die Franken Schuhe und Shirts im Formel-Eins-Stil in die Läden und schafften so mit sportlich angehauchtem Lifestyle den Aufstieg vom Sanierungsfall zum drittgrößten Sportartikelhersteller der Welt. Das Outfit entwickelte sich zum Renner unter Schülern und Studenten. Bis heute arbeitet Puma mit den Star-Designern Philippe Starck und Alexander McQueen zusammen.

Umgekehrt haben aber auch klassische Modemarken eigene Sportlinien aufgebaut: In den Shops von Esprit gibt es Sport-Mode für Frauen, die Nobelmarken Escada und Prada verfügen über eigene Segmente für Polo-Shirts und Blusen.

Für Sportkonzerne ist dies eine durchaus ernstzunehmende Bedrohung. Esprit etwa hat es bereits auf Rang 16 der größten Lieferanten der Sporthändlervereinigung Intersport gebracht. Damit verkaufen die 1400 Händler des Verbunds in Deutschland mehr Ware von Esprit als von der Adidas-Sparte Reebok.

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