Sportartikelhersteller
Adidas: Nur bedingt in Feierlaune

Adidas wird 60 Jahre alt, doch ganz ungetrübt ist die Feierlaune unter den fast 40 000 Mitarbeitern in diesen Tagen nicht. Der Sportartikelhersteller leidet schwer unter der Weltwirtschaftskrise. Deshalb hat sich die Chefetage entschlossen, das Unternehmen umzubauen – wie so oft in den vergangenen sechs Jahrzehnten.

HERZOGENAURACH. Adolf Dassler hatte stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Athleten. So hörte der Franke genau hin, als ihn 1963 mehrere Sportler um Schuhe baten, die sie auch in den Umkleiden und Duschen tragen könnten. Der sportbegeisterte Schuster machte sich ans Werk. Zunächst vergeblich. Denn die Produktionstechnik war noch nicht so weit, um Kunststoff als Sohle zu spritzen. Dassler gab nicht auf. Als die Maschinen Ende der 60er Jahre entwickelt waren, brachte er die Adiletten in die Läden – jene Plastiklatschen, die zwar überall auf der Welt kopiert werden, mit denen Adidas aber noch heute Millionen verdient.

Die Adiletten sollten keine Ausnahme bleiben. Der Tüftler aus Herzogenaurach hatte stets einen guten Riecher für die Bedürfnisse seiner Kunden. So entwickelte er etwa auch die Fußballschuhe mit Schraubstollen, mit denen die deutsche Nationalmannschaft 1954 im Weltmeisterschaftsfinale Ungarn bezwang.

Die Grundlage für den Erfolg hat der Unternehmer am 18. August 1949 gelegt. Heute vor 60 Jahren ließ Adolf, genannt Adi, Dassler, sein Unternehmen im Handelsregister in Fürth eintragen als „Adolf Dassler Adidas Sportschuhfabrik“. Mit mehr als zehn Mrd. Euro Umsatz ist Adidas inzwischen hinter Nike die Nummer zwei im weltweiten Geschäft mit Turnschuhen, Trikots, Badehosen und Fußballstiefeln.

Ganz ungetrübt ist die Feierlaune unter den fast 40 000 Mitarbeitern in diesen Tagen allerdings nicht, Adidas leidet schwer unter der Weltwirtschaftskrise. Die Kunden halten sich mit Einkäufen zurück. Wenn der Jobverlust droht, müssen die Laufschuhe eben länger halten. Im ersten Halbjahr ist der bislang profitable Konzern mit einem Gewinn von 13 Mio. Euro nur knapp an den roten Zahlen vorbeigeschrammt. Das lag an der Konsumflaute und den Rabattschlachten im Handel, aber auch an höheren Beschaffungskosten und der Abwertung wichtiger Währungen, zum Beispiel des Rubels.

Deshalb hat sich die Chefetage entschlossen, das Unternehmen umzubauen - wie so oft in den vergangenen sechs Jahrzehnten. Der Restrukturierung fallen 1 000 Stellen zum Opfer, die regionalen Zentralen schließt Vorstandschef Herbert Hainer, eine komplette Management-Ebene wird aufgelöst. Insgesamt sollen die Kosten künftig jährlich um 100 Mio. Euro niedriger ausfallen. Gleichzeitig sollen zwei neue Verkaufsprofis in der Zentrale den Vertrieb über die eigenen Läden und die Fachhändler weltweit steuern. Analysten loben das Programm. Der Sportartikel-Hersteller sei zwar nicht über den Berg, es gebe aber Anzeichen für eine Verbesserung der Lage, sagt Merrill-Lynch-Analyst Rodolphe Ozun.

Adidas hat schon öfter kritische Phasen durchgestanden. In den 70er Jahren rollte Konkurrent Nike den Markt auf; ein Geschäft, das der Platzhirsch aus dem Fränkischen völlig unterschätzt hatte. Auch Ende der 80er Jahre, nach dem plötzlichen Tod von Horst Dassler, dem Sohn des Firmengründers, ging es rasant bergab: die Traditionsfirma schlitterte fast in die Pleite. Adidas hielt lange - viele Sportanalysten sagen zu lange - an seinen teuren Werken in Deutschland und Europa fest. „Aber selbst das konnte die Marke nicht kaputt machen“, erinnert sich Vorstand Erich Stamminger. Der Manager hat noch selbst mit Horst Dassler zusammengearbeitet.

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