Sportartikelhersteller
Die Branche boomt nicht mehr

Ein zweistelliges Plus war in der Outdoor-Branche lange normal. Jetzt scheinen viele Europäer mit Allwetterbekleidung versorgt zu sein - die Händler bleiben auf ihrer Ware sitzen.
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Die Kollektionen der vielen Marken auf der Outdoor-Messe in Friedrichshafen sind farbenfroh wie eh und je. Die wirtschaftliche Lage der lange Zeit boomenden Industrie ist dieses Jahr hingegen außergewöhnlich trist. „In den letzten elf Jahren hatten wir im Outdoor-Bereich stets ein zweistelliges Plus“, sagte zum Auftakt der Ausstellung Andreas Rudolf, Chef des Händlerverbunds Sport 2000. In den ersten sechs Monaten 2012 dagegen verzeichneten die Ladenbesitzer stagnierende Erlöse.

Sport 2000 ist kein Einzelfall. „Das Umfeld ist rauer geworden“, klagt Peter Schöffel. Der Chef und Eigentümer des schwäbischen Outdoor-Ausrüsters Schöffel musste jüngst angesichts voller Lager seiner Kunden das Wachstumsziel für 2012 kassieren. Die Händler hatten 2011 in Erwartung weiter steigender Verkäufe zu viel eingekauft und sitzen jetzt auf der Ware. Zu Jahresbeginn hatte Schöffel noch mit einem zweistelligen Umsatzplus gerechnet, nun wird es wohl einstellig ausfallen.

Die größten Outdoor-Marken

Umsatz 2011 in Mio. Euro

Vergleich 2010

An solche für die Industrie bescheidenen Zahlen werden sich viele Händler und Hersteller gewöhnen müssen. „Die ganz hohen Wachstumsraten kann es nicht mehr geben, weil wir bereits auf einem sehr hohen Niveau sind“, sagt Klaus Jost, Chef der Handelskette Intersport.

Inzwischen geben die Europäer jedes Jahr rund zehn Milliarden Euro für Regenjacken, Wanderstiefel, Kletterseile und Eispickel aus. Angesichts des Booms in den vergangenen Jahren sind zudem viele branchenfremde Anbieter in das Geschäft eingestiegen. Das hat den Wettbewerb dramatisch verschärft. Einerseits haben global agierende Sportartikelmarken wie Adidas und Nike inzwischen Outdoor-Sparten aufgebaut. Adidas zählt nur drei Jahre nach dem Start in dem neuen Segment zu den größten Anbietern der bisher mittelständisch geprägten Branche.

„Wir holen uns Marktanteile von der Konkurrenz“, sagt Rolf Reinschmidt, Outdoor-Chef der Marke mit den drei Streifen. Andererseits sind immer mehr No-Name-Hersteller auf dem Markt, die über Discounter verkaufen. „Es gibt viel zu viele Trittbrettfahrer, die Jacken zu Spottpreisen raushauen“, ärgert sich Intersport-Vorstand Jost.

Angesichts des harten Konkurrenzkampfs entwickeln die traditionellen Outdoor-Marken neue Wachstumsstrategien. Schöffel startet im Spätsommer erstmals eine TV-Kampagne, um bekannter zu werden und so den Verkauf anzukurbeln. Der Schweizer Konkurrent Mammut expandiert dagegen in wachsenden Märkten wie Korea und China. „Angesichts des schwierigen Umfelds in Europa wird Asien immer wichtiger“, sagt David Udberg, Präsident des Branchenverbands European Outdoor Group (EOG).

Einen ganz anderen Weg hat das Outdoor-Label Vaude eingeschlagen. Die Firma aus dem oberschwäbischen Tettnang bietet besonders viele grüne Produkte an und baut die Produktion in Deutschland aus. Das ist ungewöhnlich, weil die Industrie in der Regel in China und Vietnam fertigen lässt. „Wir wollen der umweltfreundlichste Ausrüster in Europa werden“, sagt Firmenchefin Antje von Dewitz.

Das Konzept geht anscheinend auf: So ist der Umsatz in den ersten fünf Monaten des Jahres um zehn Prozent gestiegen. Um so erfolgreich wie Vaude zu sein, müssten sich die erfolgsverwöhnten Firmen grundlegend wandeln, meint EOG-Generalsekretär Mark Held: „Das wird für viele ein schmerzhafter Wandel.“ Mit bunten Regenjacken alleine lassen sich die Käufer heute nicht mehr in die Läden locken.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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