Sportindustrie
Skihersteller setzen auf die „Rocker“

Der Absatz von Skiern ist derzeit niedrig wie nie. Genauso wie der Anreiz für Sportler, sich neue Modelle zu kaufen. Eine neue Bauweise soll das Pistenvergnügen einfacher machen und so die Verkäufe ankurbeln. Der frühe Schnee hilft der Branche.
  • 3

MÜNCHEN. Der Name ist Programm: Die Sportindustrie will mit einer neuen Ski-Generation, dem sogenannten „Rocker“, die Kundschaft aufrütteln. Seit Jahren stagnieren die Verkäufe, weil viele Sportler keinen Grund sehen, sich neue Bretter zu kaufen. Sie steigen stattdessen auf Leihskier um oder fahren die alten Exemplare weiter. Doch die neuen Modelle sollen einfacher zu steuern sein – und so die Menschen wieder in die Läden locken.

„Wir müssen es schaffen, den Kunden die Vorteile zu erklären“, sagt Christoph Bronder. Der Chef des bayerischen Skiproduzenten Völkl weiß genau, dass das der Knackpunkt ist. Denn seit der Erfindung der Carving-Skier vor mehr als zehn Jahren ist keine Neuheit mehr richtig angekommen bei den Kunden.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den späten 80er-Jahren wurden weltweit rund acht Millionen Paar Skier pro Jahr verkauft. Dieses Jahr gehen wohl nur noch gut drei Millionen über die Ladentheken. Da hilft auch die eine Million Snowboards kaum, die seither hinzugekommen ist.

In Deutschland ist die Lage ähnlich: Vor zehn Jahren haben die Anbieter noch fast 700 000 Paar abgesetzt, jetzt sind es noch etwa halb so viele.

Für die neue Saison stehen die Chancen auf Wachstum für die Produzenten aber so gut wie lange nicht mehr. Das liegt nicht nur am „Rocker“, sondern auch am soliden Geschäft im vorigen Winter. Angesichts der Kälte hatten sich überraschend viele Sportler neue Ausrüstung gekauft. Gleichzeitig hatten die Fachgeschäfte wenig Ware bestellt. Das Ergebnis: „Die Lager waren nach dem letzten Winter leer, die Händler haben deshalb mehr geordert als vergangenes Jahr“, sagt Bronder.

Hersteller und Händler nehmen dieser Tage viel Geld in die Hand, um die „Rocker“ bekannt zu machen. Die neuen Bretter sollen sich mit weniger Kraft, aber dennoch kontrollierter steuern lassen. Die Skier sind in der Mitte breiter als die derzeit üblichen, stark taillierten Carving-Modelle. Die Latten liegen zudem sehr flach auf dem Schnee. Bei herkömmlichen Skiern berührt ein großer Teil der Skimitte wegen der Spannung der Latten zwischen Spitze und Ende den Boden dagegen gar nicht. Der Vorteil des neuen Prinzips: Die Kanten greifen auf voller Skilänge.

„Das ist vor allem für Leute attraktiv, die nicht ganz so gut fahren“, erläutert Klaus Jost, Chef des Händlerverbunds Intersport. Der Manager geht davon aus, dass zwischen 20 und 30 Prozent aller Skier diese Saison „Rocker“ sein werden. Tests von Intersport mit mehreren Hundert Fahrern hätten gezeigt: „Die Rocker-Technik funktioniert.“

Seite 1:

Skihersteller setzen auf die „Rocker“

Seite 2:

Kommentare zu " Sportindustrie: Skihersteller setzen auf die „Rocker“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich durfte Anfang dieses Jahres ein ein paar Rocker Ski testen und war richtig begeistert von diesen. Das ist echt noch einmal an ganz anderes Gefühl als beim Carven.

  • Welche ein Glück, weniger Schienbeinbrüche, weniger Umweltschäden in den bergen.

    Und das alles, weil die Gier der Hersteller ungebrenst ist und der Laffer Punkt schon längst überschritten wurde für ein paar bretter mit beschlägen dran.

    Versucht's mit vernünftigen Preisen, spart euch die Millionen Werbegage, dann klappt's auch wieder mit der Kundschaft.

  • Die Hersteller brauchen sich nicht wundern, wenn der Absatz bei den unverschämten Preisen zurückgeht. ich zahle für einen neuen Ski mittlerweile denselben betrag in Euro wie 2000 zu DM-Zeiten, das bedeutet ca. 10 Prozent Teuerung pro Jahr, und das, obwohl die Produktion immer mehr automatisiert worden ist. Und dann bekommen hochbezahlte Sportler und Promis, die es sich leisten könnten, die bretter noch umsonst! Wie wäre es, wenn die Skiindustrie ärmeren Kindern die bretter einfach mal schenken würde, anstatt Profis kostenlos auszustatten?

    Die Skiindustrie sollte die Preise kräftig senken, dann klappts auch wieder mit mehr Verkäufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%