Sportwagenbauer
Porsche setzt auf chinesischen Markt

Trotz Krise geht Porsche-Vorstand Matthias Müller für 2012 von neuen Absatzsteigerungen aus. Der chinesische Markt wächst zwar verhalten, überholt jedoch die US-Verkäufe. An der Rabattpolitik ändert das aber nichts.
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München Die ausufernde Absatzkrise in Europa wird dem Sportwagenbauer Porsche 2013 Schwung nehmen. „Wir gehen immer noch davon aus, dass wir auch im nächsten Jahr die Zahlen vom Vorjahr übertreffen“, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Mittwochabend im Münchner Club Wirtschaftspresse. Allerdings schwäche sich das Wachstum etwas ab. Das Plus könne im nächsten Jahr fünf bis zehn Prozent geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Der Weltmarkt werde im nächsten Jahr schrumpfen. Verschont werde dabei kein Segment, wie die letzte Krise gezeigt habe. „Da haben alle Premiumhersteller gelitten.“ Für 2012 kündigte Müller einen Absatzanstieg von circa 17 Prozent auf rund 140.000 Fahrzeuge an.

Porsche hatte am Mittwoch als erster Hersteller aus dem Oberklasse-Segment eingeräumt, dass die Flaute nachhaltig auf das Geschäft durchschlagen wird, und Produktionskürzungen angekündigt. Am Donnerstag folgte Daimler mit einer Gewinnwarnung und Plänen für ein Sparprogramm in der Pkw-Sparte. Bislang waren vor allem Massenhersteller wie Fiat oder Peugeot von der Absatz-Talfahrt in Europa betroffen. Der Porsche-Vorstandsvorsitzende sagte, im Premiumsegment werde viel mit Kaufanreizen gearbeitet. Die will er aber seinen Kunden nicht gewähren. „Für uns sind Rabatte kein Weg. Wir verkaufen lieber mal ein Auto weniger, als dass wir es verramschen.“

Dass Absatzrückgänge in Europa in den USA oder China ausgeglichen werden können, wie dies den Oberklasse-Herstellern bisher gut gelungen ist, sei auch bei Porsche so. Allerdings: „Autos in Europa haben weltweit den höchsten Preis und den höchsten Deckungsbeitrag.“ Dass in China nur Fahrzeuge mit teurer Sonderausstattung verkauft würden, „ist auch eine Mär“. Trotzdem setzt der Vorstandschef auf den weltgrößten Automarkt: 2013 werde China vermutlich erstmals der größte Porsche-Absatzmarkt sein und die USA übertreffen. Die Stuttgarter verkaufen je rund ein Drittel ihrer Autos in Europa, den USA und Asien. Eine Produktion außerhalb Deutschlands, in Amerika oder China, schloss er nicht aus, dies sei aber derzeit kein Thema.

Auf die Frage, ob angesichts der Krise im Automarkt Hersteller verschwinden werden, antwortete Müller: „Klar ist, dass der ein oder andere in erheblichen Schwierigkeiten ist.“ Wenn ein großer Autohersteller falle, sei das in der Branche „für niemanden ein Vorteil, weil als Allererstes die Zulieferindustrie aus den Fugen gerät. Und das trifft uns alle.“ Der Porsche-Chef sagte weiter, ein Scheitern des Euro wäre „der worst case für die Autoindustrie“. Alle bisherigen Planungen wären dann Makulatur. „Wenn das passiert, würde die Weltmarktzahl um bis zu 30 Prozent runtergehen.“ Eine solche Wirtschaftskrise würde die ganze Welt erfassen.

Zum Ziel, bis 2018 den Absatz auf rund 200.000 Autos zu steigern, meinte Müller: „Ich kann Ihnen heute nicht sagen, ob es 190.000 oder 210.000 sein werden.“ Aber wenn Porsche in diesem Jahr 140.000 Autos verkaufe und der geplante kompakte Geländewagen Macan mit rund 50.000 Einheiten dazu komme, „dann fehlt nicht mehr viel, um diese magische Zahl zu erreichen“. Auf lange Sicht könne er sich vorstellen, dass ein Absatz von 500.000 Autos im Jahr für einen Nischenanbieter die Obergrenze sei. „Wir wollen exklusiv und begehrlich bleiben.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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