Sportwagenbauer will ins operative Geschäft eingreifen
Porsche greift bei VW ins Lenkrad

Porsche hat deutlich gemacht, dass die Stuttgarter Einfluss auf das operative Geschäft von VW ausüben wollen. Auch Gewinne und Verluste sollen direkt in die Bilanz einfließen.

HB SIENNA. Porsche habe dies auf einer Analystenkonferenz in Italien angekündigt, sagte LBBW-Analyst Frank Biller am Montagabend auf Nachfrage. Er berief sich dabei auf Ausführungen des Porsche-Finanzvorstands Holger Härter. Großes Ziel sei es, Kosteneinsparungen bei VW zu initiieren, von denen letztlich auch Porsche wieder profitieren würde. Allein bei der gemeinsamen Entwicklung eines Hybrid-Antriebs rechne Porsche mit der Einsparung eines dreistelligen Millionenbetrags. Vorteile sehe Porsche auch im Zugriff auf VW-Komponenten etwa bei Elektronik-Architekturen. Allerdings wolle Porsche die Produktpolitik in Zukunft weiter eigenständig gestalten.

Ein Porsche-Sprecher zitierte den Finanzvorstand mit den Worten, Porsche werde seinen Einfluss über den Aufsichtsrat geltend machen und Volkswagen strategisch unterstützen.

Porsche hatte am Sonntag mitgeteilt, 20 Prozent der Anteile an Volkswagen erwerbern zu wollen. Noch liegt das Engagement am Wolfsburger Automobilkonzern allerdings unter 5 Prozent. Der Aktienkauf wird Porsche rund 3 Milliarden Euro kosten. Begründet hat der Sportwagenhersteller das Geschäft mit der Absicherung der eigenen Produktion; Tage zuvor hatte das Gerücht die Runde gemacht, der US-Milliardär Kirk Kerkorian wolle einen großen Anteil an VW erwerben. Das hätte auch die Stuttgarter betroffen. Porsche und VW kooperieren unter anderen beim Bau der Geländewagen Cayenne und Touareg.

Den eigenen Angaben zufolge kann Porsche die notwendige Summe aus der vorhandenen Liquidität aufbringen. Finanzchef Härter kündigte auf der Analystenkonferenz an, dass das Unternehmen bereits zum Ende des kommenden Geschäftsjahrs 2006/2007, das am 31. Juli endet, die Kasse wieder auf 2 Milliarden Euro aufgestockt haben will.

Die VW-Beteiligung soll laut Härter „at equity“ verbucht werden, sagte der Porsche-Sprecher. Dies würde bedeuten, dass Porsche künftige Gewinne oder Verluste direkt in der eigenen Bilanz verbuchen würde. Bisher waren Experten lediglich davon ausgegangen, dass Porsche von der Zahlung einer Dividende profitieren könne.

Das Investment müsse die Kapitalrenditeziele von Porsche erfüllen, hatte Härter dem Analysten zufolge klargestellt. Der Sportwagenhersteller hat sich eine Gesamtkapitalrendite von 11 Prozent zum Ziel gesetzt.

Der Porsche-Finanzvorstand betonte vor den Analysten, die Idee für die VW-Beteiligung stamme von Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Zunächst habe er den Plan mit Aufsichtsratschef Helmut Sihler abgestimmt, dann seien die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche informiert worden. Kenner des Unternehmens mutmaßten dagegen, dass VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die treibende Kraft hinter dem Coup gewesen ist. Die beiden Familienstämme besitzen 100 Prozent der Porsche-Stimmrechte.

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