Spots in den USA
VW schockt mit Crash-Werbung

Mit zwei Werbespots hat Volkswagen in den USA ein Tabu gebrochen: Um zu zeigen, wie sicher der neue Jetta ist, ließ der Autobauer das Modell einmal frontal und einmal seitlich crashen – und das alles mit Menschen an Bord. In Deutschland wäre so etwas undenkbar, allerdings nicht aus Gründen der Feinfühligkeit.

DÜSSELDORF. Harmlos beginnen beide Spots: Ein paar Leute sind im Jetta unterwegs, dem Erfolgsmodell der Wolfsburger in den USA. Sie unterhalten sich – bis ein Unfall die Idylle jäh beendet. Einmal schießt ein Pick-up aus einer Seitenstraße heraus und der Jetta prallt frontal auf ihn; einmal erwischt ein Geländewagen den Jetta in der Seite. Der Zuschauer sieht in beiden Fällen den anderen Wagen aus der Perspektive der Jetta-Insassen heranrauschen. In der nächsten Sekunden splittert auch schon das Glas, die Airbags lösen aus. Dann ist es kurz dunkel. Nach dem Schock kommt die Erleichterung: Die Jetta-Passagiere steigen zwar sichtlich mitgenommen, aber weitgehend unverletzt aus dem Wagen.

Wo sonst nur Dummys oder wie in einem Renault-Werbesport Weißwürste und Sushy crashen, sind es dieses Mal echte Menschen – zwar Stuntman, doch weh muss es dennoch getan haben. Die Crashs waren real, sagt VW: kein Filmtrick, normale Geschwindigkeit, nur Serienwagen.

 Werbespot 1: Der Jetta rast frontal in einen Pick-up

 Werbespot 2: Ein Geländewagen fährt dem Jetta in die Seite

Die Meinungen zu den Spots sind in den USA gespalten. Man hasst sie oder man liebt sie, schreibt die Washington Post. Und genau das hat Volkswagen wohl gewollt. Die Werbung sollte auffallen. Der Schock-Effekt ist ein Novum bei den Autoherstellern, während er in anderen Branchen Gang und Gäbe ist. Wer regt sich heute noch über Bennetton-Werbung auf?

Die Idee zu den Spots kam Volkswagen nachdem der Jetta die strengen US-Chrashtests mit Bestnoten bestanden hatte. Das sollte der Kundschaft eindringlich vermittelt werden. So flimmerten die Unfallszenen den ganzen April über die Mattscheiben in den USA; mittlerweile ist die Werbung aber planmäßig ausgelaufen. In den Verkaufsstatistiken scheint sie aber ihre Spuren hinterlassen zu haben: Der Hersteller verkaufte noch im gleichen Monat 9 929 Jetta und damit 32,4 Prozent mehr als das Jahr zuvor.

In Deutschland kommt solch eine Werbung für den Wolfsburger Konzern aber nicht in Frage. „In den USA hat die Crash-Sicherheit einen höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit“, sagt Sprecher Hartwig von Sass. Dagegen versuche man hier, die spezifischen Produktvorteile mit einer kleinen Geschichte zu erzählen. Wie etwa beim Golf Plus und dem Sumo-Ringer, den die Werbefilmer auf der Rückbank geradezu schmächtig aussehen ließen. Außerdem, so sagt Sass, „wissen die deutschen Kunden ohnehin, dass ein VW sicher ist.“

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