Spritpreise

Kartellamt knöpft sich Ölkonzerne vor

Die hohen Spritpreise rufen die Kartellwächter auf den Plan. In einer umfassenden Untersuchung soll geklärt werden, ob im Raffineriesektor und in den Mineralölmärkten wirklich Wettbewerb herrscht.
Update: 27.09.2012 - 11:35 Uhr 16 Kommentare
Das Kartellamt nimmt Raffinerien und Ölkonzerne ins Visier. Quelle: AFP

Das Kartellamt nimmt Raffinerien und Ölkonzerne ins Visier.

(Foto: AFP)

Düsseldorf,Das Bundeskartellamt behält wegen der hohen Spritpreise die Mineralölwirtschaft im Visier: Die Kartellwächter wollen untersuchen, ob im Raffineriesektor und in den Mineralölmärkten wirklich Wettbewerb herrscht. „Wir werden uns genauer ansehen, in welcher Form Preisebewegungen bei Rohöl und Mineralölprodukten an die Autofahrer weitergegeben werden“, kündigte Kartellamtschef Andreas Mundt in Bonn an. Dazu leitete Mundt eine umfassende Untersuchung des ganzen Wirtschaftszweigs ein. Das Kartellamt kann zu diesem Mittel greifen, wenn es vermutet, dass der Wettbewerb in einer Branche eingeschränkt ist.

Die Untersuchung solle „Aufschluss über die Wettbewerbsintensität bei Raffinerien und im Mineralölgroßhandel geben und etwaige Wettbewerbsprobleme aufdecken“, kündigte das Kartellamt an. Sie solle auch „Impulse für die öffentliche und politische Diskussion des Themas geben“.

Das Kartellamt hatte bereits mit einer breit angelegten, über gut drei Jahre andauernden Untersuchung den Tankstellenmarkt durchleuchtet. Die Studie habe gezeigt, dass fünf Ölmultis - Aral, Esso, Jet, Shell und Total - den Markt beherrschten, doch hätten sich keine Hinweise darauf ergeben, dass die Konzerne die Preise „explizit“ absprechen, hatte Mundt bei der Vorlage der Ergebnisse im Mai 2011 gesagt.

Dem Kartellamt sind damit die Hände gebunden: „Absprechen ist verboten, abgucken ist aber erlaubt“ - und genau dieses täten die Unternehmen, wenn sie die Preise erhöhen. Bei den Benzinpreisen tritt Mundt nun dafür ein, den Autofahrern in Deutschland den Vergleich der Spritpreise einzelner Tankstellen zu erleichtern.

Bei der Untersuchung des Raffinerie-Marktes in Deutschland wird Mundt wieder auf die bekannten Konzerne treffen. Shell betreibt etwa mit der Rheinland Raffinerie bei Köln die größte Raffinerie Deutschlands. Auch BP und Total verfügen hierzulande über Raffinerien.

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  • rtr
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16 Kommentare zu "Spritpreise: Kartellamt knöpft sich Ölkonzerne vor"

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  • Das Kartellamt wird auch da versagen, genau wie im Lebensmittelbereich, wo der Handel mit den mittelständischen Herstellern macht was er will!
    Die sollten sich einen Top-Insider aus dem ganzen Ölkartellsumpf rauskaufen, der mit Wissen und Belegen die verbrecherischen Tätigkeiten dieser Untenehmen ans Tageslicht und vor den Kadi bringt!!

  • Funktioniert nicht, dieser Boykottaufruf. Ich bin es auch leid, immer das Gejammere der Autofahrer zu hören. Pendele selbst mit einem Gasauto, das rechnet sich super. Es gibt auch Biodiesel/Pflanzenöl, Erdgas..., man muss sich halt selbst kümmern.

    Und zum Schluss kann auch über eine Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nachgedacht werden oder über weniger Fahrten. Nicht komfortabel in jedem Fall, hilft aber auch.

  • Die Kartelle, die das Kartellamt verhindern sollte, gibt es bereits. Die Preisabsprachen sind nicht nachvollziehbar ... oder besser gesagt beweisbar.
    Diese Kartellamt ist ein zahnloser Tiger, die Konzerne machen sowieso was sie wollen, wenn denen was nicht passt wird über "Mutti" Druck gemacht, die dann "jawoll, wird gemacht" sagt. Also was soll das Ganze? Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

  • " Spritpreise:
    . Kartellamt knöpft sich Ölkonzerne vor "

    Und wenn dann das "Geknöpfe" so richtig "geknöpft" wird, macht man das am besten und effektivsten bei einer gemeinsamen FETE, so á la ERGO-HAMBURG-MANNHEIMER GELLERT-THERME-BADESPASS mit verschiedenfarbigen Bändchen der Badenixen, "knöpfen".

    Die Kosten dafür können auf den Spritpreis umgelegt und die durch Überanstrengung schmerzenden Glieder per Spezialmassage kuriert werden. Anschließend bekundet man gegenseitig den Guten Willen und gelobt Besserung (- nur: Was ge- oder verbessert werden soll wird verschwiegen. Vielleicht die Ausdauer beim "FETEN"...)

  • Auszug aus dem Artikel: "Die Kartellwächter wollen untersuchen, ob im Raffineriesektor und in den Mineralölmärkten wirklich Wettbewerb herrscht."
    Kernfrage ist: Wie kann ein Wettbewerb erreicht werden?

    Bisher scheiterten alle politischen Versuche mehr Wettbewerb zu erreichen. Für den Endverbraucher hat sich in den letzten Jahren nichts verändert (z. B. zu Ferienzeiten steigen die Spritpreise). Für mich gibt es nur einen Weg - die Verbraucher müssen das selbst in die Hand nehmen. Idee: über Facebook oder andere Internetmedien erfolgt ein Boykottaufruf für 1-2 Wochen oder länger für eine bestimmte Tankstellenkette. Folgen diesem Aufruf sehr viele Menschen dann führt das zu deutlichen Umsatzeinbußen. Dies muss nicht sofort zu sinkenden Preisen führen, ggf. muss erst eine Schmerzgrenze erreicht werden, damit dann der betroffene Konzern die Preise entgegen den anderen Konzernen senkt.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • komisch, alle paar Monate lese ich diesen Sch.. der dann zu nichts führt. Aus irgendwelchen Gründen darf die Verbraucher weiterhin abzocken. Ob es die Banken, Versicherungen Energie oder Kraftstoffe sind. Diese Produkthersteller haben anscheinend alle den Freibrief zur Abzocke. Ich wüsste nur zu gerne, warum!!!

  • @Einwanderer
    "Ein unregulierter Markt hat mit Wettbewerb nichts zu tun". Das müssen Sie erklären.
    Übrigens: Jeder Mensch und jedes Unternehmen versuchen ihre Gewinne (Einkommen) zu maximieren. Auch Gewerkschaften handeln für ihre Mitglieder nicht anders.Das ist das Prinzip des menschlichen Handelns. Auch in der Natur versucht jedes Lebewesen für sich den maximalen Vorteil herauszuholen. Nur im Sozialismus ist das im Prinzip angeblich anders. Das hat aber ausnahmslos nicht funktioniert. Alle nennenswerten sozialistischen Staaten sind pleite oder gehen pleite. Neben teilsozialistischen Staaten wie Deutschland, haben wir als sozialistische Musterländer nur noch Nordkorea und Cuba. Wollen wir so leben?

  • Der explizite oder implizite Konsens der Anbieter, ihre Gewinne zu maximieren, ist ein möglicher Zustand eines unregulierten Marktes. Hat aber mit Wettbewert nix zu tun. Auch implizites Abschauen sollte bekämpft werden können!

  • Jetzt haben die Erdölkonzerne aber auch wirklich Angst.
    Wovor eigentlich?
    Vor denen?
    Fast sieht man schon die Erdölkonzerne (also die Bösen) vor dem Verbrauchervolk (also die Guten) förmlich einknicken.

    Und das Volk mag keinen Krieg.
    Erst recht nicht in Syrien, wo es doch um die Verteidigunbg der Freiheit geht.

    Frei tanken bedeutet immer frei unterdrücken.

    Sowas will man aber beim Tanken garnicht wissen.

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