ST Microelectronics rechnet später mit Besserung
Chipindustrie fehlt der Schwung

Die Halbleiterbranche geht davon aus, dass die derzeitige Durststrecke noch einige Zeit anhält. „Der Aufschwung kommt erst nächstes Jahr“, sagte Carlo Bozotti. Der neue Chef von ST Microelectronics (STM) zeigt sich damit nur vorsichtig optimistisch. Das zweite Halbjahr 2005 werde zwar schon eine Verbesserung bringen, sagte der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten europäischen Chipproduzenten im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dies habe jedoch nur saisonale Gründe.

HB MÜNCHEN. Noch zurückhaltender gibt sich Saturo Ito vom japanischen Halbleiterkonzern Renesas. Der Chef des drittgrößten Chipherstellers der Welt rechnet mit einer durchgreifenden Erholung erst 2007. Ito: „Dieses Jahr wird die Nachfrage schwach bleiben, auch 2006 wird nicht sehr stark.“

STM-Chef Bozotti erwartet – wie auch die meisten Marktforscher – für 2005 ein weltweites Umsatzplus für die Branche von sechs Prozent. Was in anderen Industrien für Freude sorgen würde, ist für die Chipbranche eine Enttäuschung und ein Absturz im Vergleich zu 2004. Damals kletterten die Einnahmen der Hersteller um mehr als ein Viertel. Derzeit kann fast nur noch Weltmarktführer Intel diesen Trend fortführen (siehe „Intel profitiert von Notebook-Chips“).

Die gedrückte Stimmung wirkt sich auch auf die Aktien der Branche aus. Intel hatte in der Nacht zum Freitag seine Umsatzprognose für das laufende Quartal leicht angehoben. Trotzdem fiel der Aktienkurs um 2,6 Prozent auf 26,98 Dollar. Die Investoren an der Wall Street hatten sich noch bessere Zahlen erhofft.

Um die von Bozotti prognostizierten sechs Prozent Plus zu erreichen, muss die Branche im zweiten Halbjahr noch mächtig aufholen. Denn von den zehn größten Anbietern weltweit konnten im ersten Quartal nur drei ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr steigern, haben die Marktforscher von I-Suppli ausgerechnet. Alle anderen mussten zum Teil kräftig bluten. Insgesamt sank der Umsatz der Branche um rund drei Prozent auf 57 Mrd. Dollar. Am stärksten hat es die europäischen Hersteller Infineon, STM und Philips erwischt. Die Europäer leiden unter dem starken Euro, der ihre Produkte im Vergleich zur Konkurrenz verteuert. Weil auf dem Weltmarkt Halbleiter in Dollar gehandelt werden, haben die europäischen Anbieter einen Wettbewerbsnachteil.

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