Staat übernimmt die Mehrheit am Gaskonzern
Gazprom drängt massiv ins Ölgeschäft

Der Kreml hat sich die Mehrheit am weltweit führenden Gaskonzern Gazprom gesichert und will das Unternehmen zu einem internationalen Ölmulti ausbauen. Vorstandschef Alexej Miller kündigte auf der Hauptversammlung dazu Käufe von Ölgesellschaften im In- und Ausland an. Gazprom visiere zudem einen Einstieg bei Ölprojekten des Staatsölkonzerns Rosneft vor der Pazifikinsel Sachalin an, ließ Miller durchblicken.

HB MOSKAU. Nach dem am Freitag abgeschlossenen Aufstocken des staatlichen Aktienanteils an Gazprom von bisher 39,3 auf 51 Prozent sollen bis zum Jahresende die bislang geltenden Beschränkungen für ausländische Aktionäre fallen. Russland verspricht sich dadurch Milliarden-Investitionen aus dem Ausland. Analysten begrüßten den Schritt.

Die Kassen von Gazprom für die geplante Akquisitionstour sind gut gefüllt. Die Regierung kaufte für 7,1 Mrd. Dollar die fehlenden 10,7 Prozent zur Gazprom-Mehrheit von Tochtergesellschaften des Erdgaskonzerns, wie Aufsichtsratschef Dimitrij Medwedjew, der zugleich Leiter der Präsidialverwaltung im Kreml ist, darlegte. Das Geld solle „in den Kauf von Ölaktiva in Russland und den weltweiten Hauptfördergebieten sowie eine Mrd. in die weitere Gasifizierung russischer Regionen“ gesteckt werden, führte Vorstandschef Miller aus.

Gazprom verfügt bisher über ein Fünftel der weltweiten Erdgasvorkommen und hat voriges Jahr seine Gasförderung um 4,9 auf 545,1 Mrd. Kubikmeter gesteigert. Im Öl-Markt ist Gazprom dagegen bisher eine kleine Nummer: Die Förderung der Russen belief sich 2004 lediglich auf zwölf Mill. Tonnen Rohöl. Miller will sich jedoch künftig an internationalen Ölkonzernen wie Exxon-Mobil, BP oder Shell orientieren:Diese Unternehmen erlösten 55 Prozent im Ölsektor. Auf diese Weise werde Gazprom „seine Einnahmen diversifizieren und unabhängiger werden von Gasexporten“. Auch die Bedeutung der noch immer Verlust bringenden Lieferungen auf den inner-russischen Markt würde abnehmen.

Die Deutsche Bank als Berater des Gaskonzerns hat dem Unternehmen den Kauf der russischen Erdölförderer Sibneft oder Surgutneftegaz sowie von Fördergesellschaften des wegen Milliarden-Steuernachforderungen angeschlagenen Yukos-Konzerns geraten. Spekulationen über Verkaufsgespräche mit den russischen Eigentümern des britisch-russischen Ölförderers TNK-BP dementierte TNK-BP-Chef Robert Dudley aber gegenüber dem Handelsblatt.

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