Staatliche Investition
Eurocopter plant neuen Hubschrauber

Eurocopter hofft auf eine staatliche Anschubfinanzierung für die Entwicklung eines zivilen Hubschraubers. Damit soll eine drohende Lücke geschlossen werden, denn große Beschaffungsprogramme der Bundeswehr laufen aus.
  • 0

DonauwörthPhilipp Rösler ist eigentlich befangen. Als Kind liebte er es, den Heeresfliegern zuzusehen, die mit ihren Helikoptern über das elterliche Haus bei Bückeburg donnerten. „Mein Traum war es, Hubschrauberpilot zu werden“, sagt der heutige Bundeswirtschaftsminister.

Als das nicht klappte, wollte er wenigstens Fliegerarzt werden. Auch das ging schief. „Im Studium bin ich an die falschen Freunde geraten und in die Politik gegangen“, scherzt Rösler.

Am Donnerstag durfte der Minister noch einmal seiner alten Leidenschaft frönen. Bei einem Besuch bei Eurocopter in Donauwörth waren jedenfalls alle Augen auf Rösler gerichtet. Denn die deutsche Hubschrauberindustrie braucht dringend Geld.

Eine Milliarde Euro will der deutsche Arm von Eurocopter in die Entwicklung eines neuen zivilen Hubschraubers stecken, ein Drittel davon sollen der Bund und der Freistaat Bayern tragen. „Wir werden das wohlwollend prüfen“, sagt Rösler. „Und wohlwollend heißt: Wir meinen es ernst.“

Eurocopter ist mit 5,4 Milliarden Euro Umsatz nach Airbus die zweitgrößte Sparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS - und zugleich der weltgrößte Produzent von Helikoptern. Doch obwohl die Auftragsbücher des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens für die kommenden Jahre prall gefüllt sind, „droht dem Standort Donauwörth Ende des Jahrzehnts eine Lücke“, sagt Eurocopter-Chef Lutz Bertling.

Denn dann laufen mit dem Kampfhubschrauber „Tiger“ und dem Mehrzweckhubschrauber „NH90“ die großen Beschaffungsprogramme der Bundeswehr aus. Die Lücke soll ein neuer Zivilhubschrauber füllen, der bislang unter dem Namen „X9“ entwickelt wurde.

Staatliche Zuschüsse für Entwicklungsprogramme sind in der Flugzeugindustrie nichts Neues: So erhält die große Eurocopter-Schwester Airbus regelmäßig sogenannte Anschubfinanzierungen für neue Flugzeuge. In der Regel schießen die Staaten rund ein Drittel der Entwicklungssumme vor, die dann verzinst zurückgezahlt wird, wenn sich das Programm über Auslieferungen finanziert.

Der Vorteil für die Industrie: Die Darlehen werden von den Banken als Eigenkapital gewertet und sind so die Basis für zusätzliche Marktkredite. Auch Eurocopter hat in der Vergangenheit solche Hilfen kassiert. „Für den Staat hat sich das immer gerechnet, wir haben stets mit Zinsen zurückgezahlt“, beteuert Bertling.

Seite 1:

Eurocopter plant neuen Hubschrauber

Seite 2:

Hohe Energiepreise treiben das Geschäft

Kommentare zu " Staatliche Investition: Eurocopter plant neuen Hubschrauber"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%