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31.03.2008 
Steueraffäre

Staatsanwaltschaft beißt sich an Würth fest

von Martin-W. Buchenau

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den baden-württembergischen Unternehmer Reinhold Würth wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Der schwäbische Schraubenhändler-Konzern reagiert in Stellungnahmen zurückhaltend – derweil gibt es Spekulationen über eine außergerichtliche Einigung beider Parteien.

STUTTGART. Der zu den reichsten Deutschen zählende Reinhold Würth und fünf weitere Personen aus dem Umfeld des Schraubenhändlers sollen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ Steuern in Millionenhöhe hinterzogen oder Beihilfe dazu geleistet haben. Das Unternehmen reagierte gestern zurückhaltend.

„Wir haben die Medien in der Vergangenheit über das Verfahren informiert und mitgeteilt, dass wir mit den Behörden kooperativ zusammenarbeiten“, sagte eine Firmensprecherin. Das Unternehmen halte eine offene und transparente Kommunikation für den besten Weg. „Da wir uns momentan aber in einem laufenden Verfahren befinden, können wir die aktuelle Berichterstattung nicht weiter kommentieren“, hieß es aus dem Unternehmen.

Schon Ende vergangenen Jahres wollte die Beiratschefin und Tochter des Firmenpatriarchen Bettina Würth gegenüber dem Handelsblatt zu dem schwebenden Verfahren keine Stellung nehmen. Ihr Vater hatte sich nach der Durchsuchung im Herbst 2006 öffentlich heftig empört über die Form der Ermittlungen. Es gehe allenfalls um Nachlässigkeiten bei Abrechnungen, hatte er betont.

Für Irritationen sorgte zuletzt der Abgang des langjährigen Finanzchefs Roland Hartmann. Der 47-Jährige verlässt das Unternehmen zum 15. April „auf eigenen Wunsch“. Das hatte das Unternehmen am 12. März bekannt gegeben. Damals hieß es, dass der Abgang des Finanzchefs nichts mit der Steueraffäre zu tun habe. Neuer Finanzchef wird der 46jährige Joachim Kaltmaier, zuvor Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young. Kaltmaier hat auch die Bestätigungsvermerke des Konzernabschlussprüfers in den Geschäftsberichten des Würth-Konzerns der Jahre 2005 und 2006 unterzeichnet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die unterschiedliche Auslegung der Steuerparagrafen.

Würth unterhält mehrere Stiftungen. Im schweizerischen Chur ist auch die Würth International AG ansässig, über die die ausländische Tochtergesellschaften des Unternehmens gehalten werden. Würth verfügt über ein weit verzweigtes Firmengeflecht zu dem unter anderem auch die Flugplatzgesellschaft in Schwäbisch Hall und eine Bank gehören. Der Konzern ist mit einem Umsatz von 8,5 Mrd. Euro mit 64 000 Beschäftigten in fast 400 Gesellschaften in 86 Ländern aktiv. Der Auslandsumsatz lag zuletzt bei 5,1 Mrd. Euro.

Allein in Deutschland unterhält der Konzern fast 60 Personengesellschaften mit der Rechtsform GmbH & Co. KG, die gemäß Handelsgesetzbuch von der Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses befreit sind. Dazu kommen noch einmal 16 inländische GmbH.

Der „Spiegel“ berichtet ferner, Würths Anwälte und die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verhandelten über die exakte Höhe der möglicherweise hinterzogenen Steuer. Beide Parteien legten die Steuerparagrafen sehr unterschiedlich aus. Würths Anwälte wollten in jedem Fall verhindern, dass es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung kommt. Sie strebten eine Strafe von maximal einem Jahr auf Bewährung sowie eine Geldstrafe an. In Würths Fall sei die Rede über eine Geldbuße von rund 40 Mill. Euro.

Würth Vermögen wird auf fünf Mrd. Euro geschätzt. Er ist einer der größten Kunst-Mäzene und hat weltweit 13 Museen gebaut. Der zu den Pionieren der Nachkriegswirtschaft zählende Unternehmer gilt in der 70 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegenen Region als der „König der Hohenlohe“ .

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