"Staatsanwaltschaft will Ölkonzern vollends zerstören"
Yukos: Insolvenz oder Auflösung

Das Management des russischen Ölkonzerns Yukos sieht keine Zukunft mehr für das Unternehmen. Die Konzernspitze ist überzeugt, dass die russische Staatsanwaltschaft Yukos vollends zerstören will. Die Aktionäre hätten nun nur noch die Wahl zwischen Insolvenz und Auflösung.

HB MOSKAU. Dennoch versuche der Vorstand, die Geschäfte des größten Ölexporteurs des Landes so lange wie möglich weiterzuführen, teilte Yukos am späten Donnerstagabend mit. „Wir glauben, dass die Staatsanwaltschaft mit ihrem außerordentlich Druck spezielle Ziele verfolgt: die Demontage des Managements, die Verhinderung einer Einigung mit den russischen Behörden und die völlige Zerstörung von Yukos“, hieß es in der Erklärung des durch Steuernachforderungen in Höhe von 18,8 Mrd. € in Bedrängnis geratenen Konzerns.

Der russische Staat hat das Kernstück des Konzerns, den Förderbetrieb Juganskneftegas, zum Verkauf ausgeschrieben und damit die Zerschlagung des Imperiums des inhaftierten Großunternehmers Michail Chodorkowski begonnen. Die Regierung begründet das Vorgehen mit Milliarden-Steuer-Nachforderungen für die vergangenen Jahre.

Die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 20. Dezember sollten nun nur noch zwischen einem Insolvenzantrag oder einer Liquidation entscheiden können, teilte der Konzern mit. Eine bisher diskutierte dritte Variante, nämlich ein Rettungsplan für die Firma, werde wegen Aussichtslosigkeit gar nicht erst zur Wahl gestellt. Das habe der Aufsichtsrat auf Vorschlag des Managements beschlossen.

Um seiner Verantwortung gegenüber seinen Aktionären gerecht zu werden, werde der Vorstand aber das Unternehmen trotz sich verschärfender Schwierigkeiten so lange wie möglich weiterführen, hieß es weiter. Die Nachricht aus Unternehmenskreisen, die komplette Management-Riege des Konzerns sei aus Angst vor Festnahmen aus Russland geflohen, hatte am Vortag einen neuerlichen Kurssturz der Yukos-Aktien von fast 30 % ausgelöst. Der Kurs lag damit um 94 % unter dem im vergangenen Jahr verzeichneten Höchststand.

Analysten bewerten den Steuerstreit als politisch motiviertes Vorgehen der russischen Regierung und des Präsidenten Wladimir Putin, weil der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski politische Ambitionen gezeigt hatte. Gegen den in Haft sitzenden Manager läuft ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Betrugs.

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