Industrie

_

Staatsbeteiligung: Berlin kauft EADS-Anteile von Frankreich

exklusivÜberraschende Wende bei den Verhandlungen über die künftige Eignerstruktur von EADS: Berlin will direkt Anteile vom französischen Staat erwerben. Demzufolge werden weniger Aktien von Daimler übernommen.

Die Eigentümer des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS verhandeln über eine neue Verteilung der Anteile. Quelle: dapd
Die Eigentümer des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS verhandeln über eine neue Verteilung der Anteile. Quelle: dapd

BerlinBei den Verhandlungen zum Einstieg des deutsches Staates beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zeichnet sich eine überraschende Lösung ab. Die Bundesregierung hat nach Informationen des Handelsblatts aus deutschen Regierungskreisen die staatseigene Förderbank KfW beauftragt, direkt Gesellschafter-Anteile vom französischen Staat zu kaufen.

Anzeige

In der Folge würde die KfW deutlich weniger Aktien von Daimler übernehmen. Der Autobauer hält bislang noch 15 Prozent der Aktien und möchte diese verkaufen. Bislang war immer geplant, dass diese an den deutschen Staat gehen sollten.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

  • European Aeronautic Defence and Space Company

    EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

  • Die französische Seite

    Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

  • Die deutsche Seite

    Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

  • Die spanische Seite

    Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

  • Der Aktionärspakt

    Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

  • Die Machtzentren

    Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Nach Informationen des Handelsblatts aus der Bundesregierung ist geplant, dass Berlin und Paris in der neuen Aktionärsstruktur der EADS jeweils rund 12 Prozent der Anteile halten, weitere 5 Prozent liegen beim spanischen Staat. Auf Drängen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler soll der staatliche Anteil an dem Unternehmen auf maximal 30 Prozent begrenzt werden.

Bislang besitzt Frankreich noch 15 Prozent. Die 3 Prozent, die Frankreich reduzieren soll, um ein Gleichgewicht mit Deutschland herzustellen, sollen jetzt direkt von der KfW übernommen werden. Darauf haben sich die deutsche und französische Seite in den laufenden Verhandlungen geeinigt, heißt es in der Bundesregierung.

Modellpalette Das sind die Verkaufsschlager von Airbus

  • Modellpalette: Das sind die Verkaufsschlager von Airbus
  • Modellpalette: Das sind die Verkaufsschlager von Airbus
  • Modellpalette: Das sind die Verkaufsschlager von Airbus
  • Modellpalette: Das sind die Verkaufsschlager von Airbus

Zusätzlich würde Berlin, die bei einem Bankenkonsortium geparkten 7,5 Prozent EADS-Anteilsscheine (sogenannte Daedalus-Struktur) übernehmen. Um die geplanten 12 Prozent Gesamtanteile zu erreichen, braucht die Bundesregierung von Daimler dann nur etwa 1,5 Prozent Aktien zu erwerben. Daimler müsste in der Folge einen relativ großen Anteil seiner EADS-Aktien auf dem freien Markt verkaufen.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, dass der Anteilserwerb durch die Bundesregierung vom Parlament beschlossen sei. Dazu liefen intensive Gespräche mit den beteiligten Partnern. „An darüber hinaus gehenden Spekulationen beteiligt sich die Bundesregierung nicht“, so der Sprecher.

Daimler strebt seit längerem einen Verkauf von Anteilen an. Die Bundesregierung hatte sich zwar immer wieder für einen Verkauf an einen privaten Investor ausgesprochen, dies scheiterte jedoch. Der französische Miteigner, der Lagardère-Konzern, will sich aller Voraussicht nach im kommenden Jahr aus EADS zurückziehen.

 

  • 23.11.2012, 10:38 Uhrwolf-dieter.siebert

    Hervorragende Lösung, wirklich gut! Anstatt den Staatsanteil an EADS durch den Aufkauf privater Anteile zu erhöhen, findet ein Austausch zwischen D und FR statt und der Gesamt-Staatsanteil bleibt unter 30%, wobei FR seinen Anteil sogar reduziert!!. Hätte ich den [...] Franzosen gar nicht zugetraut. Oder war das etwa wieder eine Falle?? Aber, so langsam glaube ich, der Rössler hat doch mehr drauf als die Medien so glauben machen (na ja, mit Hintze dahinter). Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 23.11.2012, 09:48 UhrPhilosoph

    Logisch! Deutschland ist die Nummer 3 der Welt bei den Waffenproduzenten! Ich dachte immer im Krieg gäbe es nur Verlierer... scheine mich getäuscht zu haben!

  • Die aktuellen Top-Themen
Reaktionen auf Nahost-Konflikt: Lufthansa und Air Berlin streichen Flüge nach Tel Aviv

Lufthansa und Air Berlin streichen Flüge nach Tel Aviv

Lufthansa, ihre Töchter sowie Air Berlin fliegen nicht mehr nach Tel Aviv. Ähnlich radikal reagiert die US-Luftfahrtbehörde auf Raketeneinschläge in der Nähe des Flughafens der Metropole: Sie erteilt ein Flugverbot.

Krise des Unglücksfliegers: Bei Malaysia Airlines fliegt die Angst mit

Bei Malaysia Airlines fliegt die Angst mit

Zwei Katastrophen in nur wenigen Monaten: Das könnte zu viel sein für Malaysia Airlines. Über einen Rückzug von der Börse wird nachgedacht. Zunächst schadet sich die Airline mit einem fragwürdigen Überflug weiter.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer