Staatsbeteiligung: Berlin kauft EADS-Anteile von Frankreich

StaatsbeteiligungBerlin kauft EADS-Anteile von Frankreich

Überraschende Wende bei den Verhandlungen über die künftige Eignerstruktur von EADS: Berlin will direkt Anteile vom französischen Staat erwerben. Demzufolge werden weniger Aktien von Daimler übernommen.
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BerlinBei den Verhandlungen zum Einstieg des deutsches Staates beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zeichnet sich eine überraschende Lösung ab. Die Bundesregierung hat nach Informationen des Handelsblatts aus deutschen Regierungskreisen die staatseigene Förderbank KfW beauftragt, direkt Gesellschafter-Anteile vom französischen Staat zu kaufen.

In der Folge würde die KfW deutlich weniger Aktien von Daimler übernehmen. Der Autobauer hält bislang noch 15 Prozent der Aktien und möchte diese verkaufen. Bislang war immer geplant, dass diese an den deutschen Staat gehen sollten.

Nach Informationen des Handelsblatts aus der Bundesregierung ist geplant, dass Berlin und Paris in der neuen Aktionärsstruktur der EADS jeweils rund 12 Prozent der Anteile halten, weitere 5 Prozent liegen beim spanischen Staat. Auf Drängen von Wirtschaftsminister Philipp Rösler soll der staatliche Anteil an dem Unternehmen auf maximal 30 Prozent begrenzt werden.

Bislang besitzt Frankreich noch 15 Prozent. Die 3 Prozent, die Frankreich reduzieren soll, um ein Gleichgewicht mit Deutschland herzustellen, sollen jetzt direkt von der KfW übernommen werden. Darauf haben sich die deutsche und französische Seite in den laufenden Verhandlungen geeinigt, heißt es in der Bundesregierung.

Zusätzlich würde Berlin, die bei einem Bankenkonsortium geparkten 7,5 Prozent EADS-Anteilsscheine (sogenannte Daedalus-Struktur) übernehmen. Um die geplanten 12 Prozent Gesamtanteile zu erreichen, braucht die Bundesregierung von Daimler dann nur etwa 1,5 Prozent Aktien zu erwerben. Daimler müsste in der Folge einen relativ großen Anteil seiner EADS-Aktien auf dem freien Markt verkaufen.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, dass der Anteilserwerb durch die Bundesregierung vom Parlament beschlossen sei. Dazu liefen intensive Gespräche mit den beteiligten Partnern. „An darüber hinaus gehenden Spekulationen beteiligt sich die Bundesregierung nicht“, so der Sprecher.

Daimler strebt seit längerem einen Verkauf von Anteilen an. Die Bundesregierung hatte sich zwar immer wieder für einen Verkauf an einen privaten Investor ausgesprochen, dies scheiterte jedoch. Der französische Miteigner, der Lagardère-Konzern, will sich aller Voraussicht nach im kommenden Jahr aus EADS zurückziehen.

 

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  • Logisch! Deutschland ist die Nummer 3 der Welt bei den Waffenproduzenten! Ich dachte immer im Krieg gäbe es nur Verlierer... scheine mich getäuscht zu haben!

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