Staatsbürgschaft
Banken ringen um Lösung für Merckle

Zuerst verschuldete sich Merckle für seine Beteiligung an Heidelberg Cement, dann verzockten sich die Manager mit der VW-Aktie. Nun fordert Firmenpatriarch Adolf Merckle dem schwäbischen Traditionsunternehmen mit einer Staatsbürgschaft aus den Finanznöten zu helfen. Die Politik ist davon wenig begeistert.

FRANKFURT. Für die angeschlagene Firmengruppe des Ulmer Unternehmers Adolf Merckle ist nach wie vor keine Lösung der Finanzprobleme in Sicht. Der Versuch des Firmenpatriarchen, mit Hilfe einer Landesbürgschaft einen Überbrückungskredit für seine VEM Vermögensverwaltung zu sichern, stieß gestern überwiegend auf große Skepsis und Ablehnung, wurde von Ministerpräsident Günther Oettinger aber nicht völlig ausgeschlossen.

Merckle ist in den vergangenen Wochen durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien und eine hohe Verschuldung im Zusammenhang mit seinem Engagement bei Heidelberg Cement in Finanznöte geraten. Er verhandelt derzeit mit rund drei Dutzend Banken um eine Refinanzierung. Seine beiden Holding-Gesellschaften VEM Vermögensverwaltung und Spohn Cement, die unter anderem eine 80-prozentige Beteiligung an Heidelberg Cement halten, dürften zusammen mit etwa fünf Mrd. Euro verschuldet sein.

Der Agentur Bloomberg zufolge benötigt VEM akut bis zu 1,1 Mrd. Euro neue Kredite. Zudem drohe der Holding eine Insolvenz, sollten sich die involvierten Banken nicht kurzfristig auf die Verlängerung eines Stillhalteabkommens verständigen. Die Verhandlungen gestalten mit den Banken gestalten sich nach Informationen aus Finanzkreisen unter anderem deshalb sehr schwierig, weil die Royal Bank of Scotland (RBS) bisher eine federführende Rolle unter den Merckle-Kreditgebern spielt, nun aber nur noch begrenztes Interesse am Deutschlandgeschäft habe. Als Problem für Merckle gilt ferner die insgesamt sehr große Zahl an beteiligten Banken.

Größte Kreditgeber sind nach Informationen aus dem Bankensektor neben der RBS die Commerzbank und die LBBW. Letztere soll Merckle auch bei seinen VW-Spekulationen beraten und finanziert haben. Sprecher von LBBW und Deutscher Bank wollten gestern zu den Vorgängen nicht Stellung nehmen.

Beobachter gehen unterdessen weiter davon aus, dass Merckle um einen Verkauf der Pharmagruppe Ratiopharm kaum herumkommen wird. Der Hersteller von patentfreien Nachahmer-Medikamenten mit rund 1,8 Mrd. Euro Jahresumsatz ist bisher ein Kernunternehmen der Merckle-Gruppe und gilt derzeit als deren werthaltigstes Asset. Auf einen Verkauf drängen offenbar vor allem ausländische Banken, die ihr Engagement bei Merckle schnell reduzieren wollen. Andere Institute seien dagegen auch zu einer Lösung bereit, die einen Verkauf vermeide und lediglich eine Verpfändung des Pharmaunternehmens verlangt.

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