Staatsbürgschaft: Hapag-Lloyd strukturiert Schuldenberg um

Staatsbürgschaft
Hapag-Lloyd strukturiert Schuldenberg um

Der Weg für die Loslösung der Hapag-Lloyd von der Tui ist geebnet: Die Reederei struktuierert ihren Schuldenberg um, gibt dabei unter anderem die milliardenschwere Staatsbürgschaft zurück. Wesentlich ist zudem die Platzierung eine Unternehmensanleihe.
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HB HANNOVER. Die Eigner der Reederei Hapag-Lloyd haben die geplante Neuordnung der Milliardenschulden beschlossen. Damit ist der Weg für eine Loslösung des Hamburger Traditionsunternehmens vom Reisekonzern und Großaktionär Tui geebnet. Der Aufsichtsrat segnete nach Angaben vom Mittwoch die Pläne der fünftgrößten Containerreederei der Welt für eine Unternehmensanleihe in Höhe von 500 Mio. Dollar sowie einen Kreditrahmen bei Banken ab.

Als Voraussetzung dafür gibt Hapag-Lloyd die Milliardenbürgschaft zurück, die der Bund in der Schifffahrtskrise gewährt hatte. Damit ist die Reederei nun in der Lage, sich am Markt unabhängig Mittel zu beschaffen. Hapag-Lloyd wollte sich nicht äußern.

Mit der Rückgabe der Staatsbürgschaft muss Hapag-Lloyd Zinsen und Tilgung auf die gewährten Kredite und Finanzierungsinstrumente zahlen. Tui als größter Kreditgeber erwartet im Oktober die Zahlung von Zinsen in Höhe von 65 Mio. Euro, die bisher gestundet waren.

Im Zuge der Neuordnung der Schulden wurde die kurzfristige Rückzahlung eines von der Tui gewährten Überbrückungskredits über 227 Mio. Euro vereinbart. Ein Hybrid-Darlehen über 350 Mio. Euro soll in Eigenkapital gewandelt werden. Durch Zeichnung neuer Anteilscheine soll der Tui-Anteil an Hapag-Lloyd auf 49,8 Prozent steigen. Damit würde ein Käufer nur wenige Anteile am Markt hinzukaufen müssen, um Hapag-Lloyd unter seine Kontrolle zu bringen. Tui bekräftigte die Absicht, bei Hapag-Lloyd auszusteigen.

Dazu gehört nach früheren Angaben aus Unternehmenskreisen auch die Möglichkeit eines Börsengangs. Der Konzern mit Sitz in Hannover hatte auf Druck seiner eigenen Aktionäre vor eineinhalb Jahren 57 Prozent der Hapag-Lloyd-Anteile an das Konsortium Albert Balling verkauft, an dem neben der Stadt Hamburg unter anderem der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne und die HSH Nordbank beteiligt sind. Auf 43 Prozent der Anteile blieb Tui sitzen, der Konzern kann sie dem Konsortium aber 2012 andienen.

Durch die Neuordnung der Schulden und die Aufstockung der Anteile durch die Tui soll die Bilanz von Hapag-Lloyd gestärkt werden. Damit kann die Reederei ein Kreditrating für die Begebung der Anleihe bekommen. Die US-Ratingagentur Standard & Poors bewertete die geplante Hochzinsanleihe mit „B“, womit Investoren vor einem hohen Ausfallrisiko gewarnt werden.

Hapag-Lloyd war während der Schifffahrtskrise im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen geraten und musste von den Eignern mit 1,8 Mrd. Euro gestützt werden. Der Staat gewährte eine 1,2 Mrd. Euro schwere Bürgschaft, die Hapag-Lloyd aber nie genutzt hat. Für die Bereitstellung fielen hohe Kosten an, von denen Hapag-Lloyd nun befreit wird. Angesichts der weltweit anziehenden Konjunktur und höheren Frachtraten sprudeln die Gewinne von Hapag-Lloyd wieder.

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