Staatskonzern Pemex
In Mexiko wird das Öl knapp

Dem mexikanischen Staatsmonopolisten Petróleos Mexicanos (Pemex) geht das Öl aus. Drastisch schwinden die Reserven des Staatsbetriebes – nicht mal mehr zehn Jahre sollen sie reichen. Hauptschuld an der Misere tragen Gesetze, die das Unternehmen zur Melkkuh des Staates machen und überdies private Investitionen untersagen.

keh MEXIKO-STADT. Pemex-Generaldirektor Jesús Reyes Heroles und Staatspräsident Felipe Calderón warnten Anfang der Woche davor, dass die nachgewiesenen Rohöl-Reserven nicht mal mehr zehn Jahre reichten. „Das Unternehmen ist in einer kritischen Situation”, sagte Reyes Heroles bei der Feier zum 69. Jahrestag der Verstaatlichung von Pemex. Seit 2002 hätten sich wegen fehlender Investitionen die gesicherten Öl- und Gasreserven des fünftgrößten Förderers halbiert. Anfang des Jahres beliefen sich die nachgewiesenen Öl- und Gasreserven Mexikos auf 15,5 Mrd. Barrel (Fass zu 159 Liter). Vor fünf Jahren hatten sie noch bei 30,8 Mrd. Barrel gelegen. Bei der gegenwärtigen Fördermenge von rund 3,2 Mio. Barrel täglich reichen die Vorräte rechnerisch noch gut neun Jahre.

Schnelles Handeln sei unerlässlich, mahnte Calderón. „Es ist wertlos, dass wir Eigentümer unseres Öls sind, wenn wir mittelfristig daraus keine Vorteile ziehen können“, sagte er und forderte das Parlament auf, das Pemex-Gesetz zu ändern und dem Staatsunternehmen mehr Spielraum für Investitionen zu geben. Die drohende Ölknappheit Mexikos bekommen bereits die USA, wichtigster Abnehmer mexikanischen Öls zu spüren. Erstmals seit sieben Jahren sank die Exportmenge im Dezember und Januar in zwei aufeinander folgenden Monaten unter 1,6 Millionen Barrel. Pemex gehört mit Kanada und Saudi-Arabien zu den drei größten Lieferanten von Öl und Gas für die Vereinigten Staaten.

Hauptschuld an der Pemex-Misere tragen Gesetze, die das Unternehmen zur Melkkuh des Staates machen und überdies private Investitionen untersagen. Von 100 Dollar Umsatz fließen 66 in die Staatskasse. Pemex ist mit Abstand der größte Steuerzahler Mexikos und trägt 30 bis 40 Prozent zum Staatshaushalt bei. Vergangenes Jahr beliefen sich die Abgaben auf 55 Mrd. Dollar. Da blieb für die Erschließung neuer Förderfelder, die Erhöhung der Raffineriekapazität und die Wartung der bestehenden Anlagen fast nichts mehr übrig.

Abhilfe könnten private Ölkonzerne schaffen, die aber aufgrund der Rechtslage nur als Subunternehmer für Pemex engagiert werden dürfen und selbst nicht förderberechtigt sind. Daran hat kaum ein Unternehmen Interesse.

Experten wie der unabhängige britische Ölanalyst und Pemex-Experte David Shields halten Änderungen für überfällig. Der Monopolist müsse endlich „nach wirtschaftlichen Kriterien“ geführt werden. Pemex dürfe nicht länger eine Dependance des Staates und Monopolist sein, sondern müsse „ein Unternehmen mit nationalen Zielen“ werden, etwa wie Statoil in Norwegen oder die brasilianische Petrobras.

Dennoch scheint eine Lösung der Krise in absehbarer Zeit unmöglich. Calderóns Vorgänger Vicente Fox scheiterte am Widerstand des Parlaments mit dem Vorhaben, den Energiesektor für privates Kapital zu öffnen. Calderón weiß, dass er dafür ebenso wenig eine Mehrheit finden würde und versucht es daher gar nicht erst. Auch eine Steuerreform, die Pemex von den hohen Abgaben befreit, zieht sich seit Jahren hin. Schon warnen Experten, dass sich Mexiko mittelfristig vom Ölexporteur zum Ölimporteur wandeln könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%