Stabilo
Vom Schreibtisch bis in die Berge

Von wegen angestaubt: Der Stiftehersteller Schwan-Stabilo ist zwar mehr als 150 Jahre alt, aber das fränkische Traditionsunternehmen kommt ausgesprochen jugendlich daher. Mit einer ganzen Palette an poppigen Stiften zielt Stabilo-Chef Sebastian Schwanhäußer auf ein junges Publikum. Wie sich Stabilo gegen den Vormarsch der Discounter stemmt.

MÜNCHEN. Sie sind ergonomisch geformt, liegen deshalb gut in der Hand und haben ein mitunter wildes Äußeres: Die Stifte von Stabilo haben wenig gemein mit den Produkten vom Wühltisch der Kaufhäuser. Doch inzwischen verlässt sich das Familienunternehmen nicht mehr nur auf Stifte. 2006 haben die Franken Deuter übernommen, Deutschlands bekannteste Rucksackmarke. Damit sind sie in einen für den Konzern ganz neuen Bereich eingestiegen. Bis dahin hatte sich Schwanhäußer auf zwei Sparten konzentriert: Stifte zum Schreiben, Malen und Markieren sowie Kosmetikstifte. Mit Deuter hat sich die Firma in die Sportbranche gewagt.

Die Expansion war keineswegs selbstverständlich. Es war 1865, als ein Familienmitglied der Schwanhäußers das letzte Mal Geld für ein fremdes Unternehmen ausgegeben hat. Damals kaufte Gustav Adam Schwanhäußer die Nürnberger Bleistiftfabrik Großberger & Kurz. Der Kaufmann legte damit den Grundstein für Schwan-Stabilo, heute einer der weltweit bekanntesten Hersteller von Stiften. Genau 141 Jahre hat es dann gedauert, ehe wieder ein Schwanhäußer die Geldbörse für eine Akquisition geöffnet hat.

In der Öffentlichkeit ist Schwan-Stabilo vor allem durch seine leuchtenden Textmarker bekannt. Die Kosmetikstifte dagegen verkauft die Gruppe nicht unter eigenem Namen, sondern liefert sie an die großen Markenanbieter weltweit. Das Geschäft lief zuletzt gut: In dem am 30. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2007/2008 ist der Umsatz um zehn Prozent auf 373 Mio. Euro geklettert. Zum Gewinn macht die Gruppe keine Angaben.

Das stärkste Wachstum erlebt momentan der kleinste Bereich, die Rucksäcke: Die Erlöse von Deuter stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr um knapp ein Fünftel auf 38 Mio. Euro. Mit den Buntstiften erzielte die Firma ein Umsatzplus von 16 Prozent auf 152 Mio. Euro. Lediglich der Kosmetikbereich stagnierte bei 183 Mio. Euro.

Für die 42 Gesellschafter war die Übernahme von Deuter kein einfacher Schritt. Mit dem Outdoor-Geschäft hatten sie noch nie etwas zu tun. "Drei Mal musste ich die Familie zusammenholen, um das Vorhaben zu erklären", erinnert sich Sebastian Schwanhäußer. Erst dann waren alle einverstanden, ein neues Kapitel in der Unternehmenshistorie aufzuschlagen. Angesichts des kräftigen Wachstums von Deuter und erfreulicher Margen könnte es künftig weitere Zukäufe in diesem Bereich geben.

Schwanhäußer ist ein internationales Unternehmen mit deutschen Wurzeln. 95 Prozent aller Kosmetikstifte gehen in den Export, doch mehr als die Hälfte der 2 000 Mitarbeiter der Sparte arbeiten in Deutschland. Ganz anders Deuter: Am Stammsitz in Augsburg gibt es nur 50 Beschäftigte, die Rucksäcke designen, entwickeln und vermarkten. In Vietnam hingegen produzieren viele Hundert Mitarbeiter die bunten Modelle für Bergsteiger, Skifahrer und Wanderer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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