Stada-Verkauf
Bain und Cinven gewinnen die Übernahmeschlacht

Bain Capital und Cinven haben den Kampf um Stada für sich entschieden. Der Aktienkurs schießt am Morgen steil nach oben – denn die beiden Finanzinvestoren zahlen einen hohen Preis für den Arzneimittelhersteller.
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FrankfurtDer hessische Arzneimittelhersteller Stada wird für 5,3 Milliarden Euro an zwei Finanzinvestoren verkauft. Vorstand und Aufsichtsrat stellten sich nach einem wochenlangen Poker hinter das Übernahmeangebot der Beteiligungsfirmen Bain Capital und Cinven, wie Stada am Montag in Bad Vilbel mitteilte. Sie bieten 66 Euro je Stada-Aktie, einschließlich der von Stada bereits in Aussicht gestellten Dividende von 72 Cent. Das Duo stockte seine vorherige Offerte um mehr als 450 Millionen Euro auf.

„Unsere Verhandlungsstrategie der letzten Wochen war sehr erfolgreich“, zeigte sich Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker zufrieden. „Das Angebot von Bain Capital und Cinven bietet das beste Gesamtpaket.“

Bain und Cinven stachen damit die Konkurrenz von Advent und Permira deutlich aus. Vor der letzten Bieterrunde, die am Freitag abgeschlossen wurde, hatten beide je 58 Euro pro Aktie geboten. Stada hatte beide offen aufgefordert, ihre Gebote noch einmal zu erhöhen, und das mit optimistischen Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre untermauert.

Die im Nebenwerteindex MDax notierte Stada-Aktie schoss am Montag zum Start des Handels um elf Prozent auf 64,61 Euro nach oben. Ein Händler bezeichnete den gebotenen Preis als „erstaunlich hoch“. Vor einem Jahr war die Aktie noch gut die Hälfte wert.

Das allerletzte Wort ist zwar noch nicht gesprochen. Das haben die Aktionäre des Bad Vilbeler Pharmakonzerns, wenn sie in den nächsten Monaten entscheiden, ob sie das Angebot von Bain Capital und Cinven annehmen. Damit die Übernahme zustande kommt, müssen Bain und Cinven 75 Prozent der Stada-Titel angedient bekommen.

Aber die Mehrheit der Stada-Aktionäre dürfte sich inzwischen klar für einen Verkauf positioniert haben. Im Laufe der letzten Monate ist die Aktie offenbar überwiegend die Hände von Investoren gewandert, die genau auf ein solches Ergebnis gesetzt haben – einen schnellen Verkauf, der ihnen, je nach Einstiegszeitraum, einen mehr oder weniger hohen und sicheren Gewinn bringt.

Der Preis für das Pharmaunternehmen ist ansehnlich, insbesondere in Relation zur bisher eher bescheidenen Performance des Konzerns. Das Gebot von Cinven und Bain entspricht immerhin mehr als dem 40-fachen des letztjährigen Nettogewinns und noch dem 23-fachen des bereinigten Gewinns, bei dem diverse Kostenpositionen außen vor bleiben.

Bezieht man die Finanzschulden von Stada mit ein, errechnet sich ein Unternehmenswert von 5,3 Milliarden Euro, was gut dem 13-fachen des bereinigten Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) entspricht. Gemessen an dieser, im M&A-Geschäft stark beachteten Kennziffer wird Stada etwas höher bewertet als vergleichbare Konkurrenten wie Perrigo oder Gedeon Richter.

Das ist auch insofern ordentlich, als Stada in den letzten Jahren wenig Dynamik zeigte. Die ausgewiesenen Umsätze und Erträge sind seit 2012 mehr oder weniger stagniert oder sogar leicht gesunken. Die Margen sind bisher deutlich niedriger als bei vergleichbaren Konkurrenten.

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  • Die Zeit rückt näher, in der in der Masse festgestellt wird, dass "Euro" und "Dollar" nicht mehr den Wert haben, als wir diesen gemeinhin bisher zuschreiben.

    Von daher ist "hoher Preis" für Stada relativ, um nicht zu sagen lächerlich.

    Denn: Geldwert verpufft, die Machtübernahme über die Firma und damit die auch danach weiterbestehenden Wertschöpfungspotentiale aber bleiben.

    Oder anders: Die depperten Deutschen lassen sich ihre schönsten Firmen aus ihrem Einflussbereich entwenden im Tausch gegen absehbar wertlosen Geldbesitz. Ein Ergebnis der Hirnwäsche-Agenda im Rahmen der 'Globalisierung'

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