Stada

„Wir bekennen uns zum russischen Markt“

Russland ist der wichtigste Auslandsmarkt von Stada. Obwohl der Gewinn des Generika-Herstellers dort zuletzt um 19 Prozent einbrach, wollen die Hessen am Russland-Geschäft festhalten – und es sogar noch weiter ausbauen.
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Russland ist der wichtigste Auslandsmarkt des hessischen Generikaherstellerst Stada. Darum will die Führung trotz Krise am Russland-Geschäft festhalten. Quelle: dpa
Stada in Russland

Russland ist der wichtigste Auslandsmarkt des hessischen Generikaherstellerst Stada. Darum will die Führung trotz Krise am Russland-Geschäft festhalten.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Generika-Hersteller Stada will trotz der Russland-Krise weiter Geschäfte in seinem wichtigsten Auslandsmarkt machen. Ihren diesjährigen Investorentag mit Analysten werde die Firma aus dem hessischen Bad Vilbel sogar in Sankt Petersburg abhalten, sagte Vorstandschef Hartmut Retzlaff am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Frankfurt. „Wir möchten damit ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir uns nach wie vor zu unseren Aktivitäten im russischen Markt bekennen, weil wir langfristig von dessen weiterem Wachstumspotenzial überzeugt sind“, erläuterte er. Die Bedingungen in dem osteuropäischen Schwellenland seien zwar weiter schwierig. Aber Retzlaff betonte: „Was den Ausblick für Russland anbelangt, sind wir verhalten optimistisch.“

Noch immer erzielt Stada in Russland mehr Umsatz als in jedem anderen Land außerhalb Deutschlands, auch wenn der Anteil am Konzernumsatz im ersten Quartal 2015 wegen der Abwertung des Rubels auf neun Prozent von noch knapp 18 Prozent im Jahr 2014 fiel. Zum einen sind die Einnahmen in Russland in Euro gerechnet weniger wert, zum anderen können die Russen wegen der Wirtschaftskrise für Medikamente immer weniger ausgeben. Stada versuche, mit Kosteneinsparungen in der Verwaltung und einem generellen Einstellungsstopp in Russland gegenzusteuern, erläutere der Stada-Chef. „Insgesamt ist es unser Anspruch, dass wir uns im russischen Markt – zumindest was das operative Geschäft betrifft – auf Jahresfrist gesehen etwas besser entwickeln als im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres.“ Von Januar bis März hatte die Rubelschwäche bei Stada zu einem Einbruch des bereinigten Betriebsgewinns (Ebitda) um 19 Prozent auf 92,6 Millionen Euro geführt.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Retzlaff bekräftigte, dass Stada sein Geschäft mit weiteren Zukäufen ausbauen will. „Dabei halten wir vor allem Ausschau nach kleineren Produktakquisitionen, bevorzugt im Selbstzahlersegment.“ Retzlaff fociert zudem den Ausbau des Geschäfts mit Kopien von Biotech-Arzneien. Gegenwärtig prüfe Stada Optionen für die Einlizenzierung eines Biosimilars zu Adalimumab. Das unter dem Namen Humira bekannte Mittel zur Behandlung rheumatoider Arthritis gilt als eines der teuersten Medikamente auf dem deutschen Markt.

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