Stadion Leverkusen
Bayers peinlicher Dachschaden

Die Nähe zum Bayer-Konzern hat Bayer 04 Leverkusen den Spitznamen „Plastikklub“ eingebracht. In diesen Tagen drängt er sich wieder auf: Das Kunststoff-Dach der Bayarena muss wegen Brandgefahr getauscht werden.
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DüsseldorfFrüher war es bei Bayer verpönt, wenn der werkseigene Fußballverein Bayer 04 Leverkusen als „Plastikklub“ verspottet wurde. Mittlerweile erträgt der Verein das jedoch mit Selbstironie: „Werkself“ ist längst eine Art Markenzeichen und prangt als Slogan auf T-Shirts und Schals. Und dass sich Klub und Konzern nahe sind, ist in diesen Wochen extrem hilfreich.

Denn das erst 2009 montierte Stadiondach aus Bayer-Kunststoff ist wegen möglicher Brandgefahr mittlerweile umstritten. Und obwohl alle Gutachten laut der Konzernsparte Bayer Material Science einwandfrei sind, schraubt der Konzern auf eigene Kosten die Dachplatten ab und tauscht sie aus. Der Verein muss sich wegen der Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro keine Sorgen machen. Die Mama zahlt.

Für den Bayer-Konzern ist das eine peinliche und sehr buchstäbliche Demontage. Denn die Bayarena ist ein Vorzeigeobjekt etwa für Architekten, die andere Stadien mit dem Werkstoff Makrolon decken oder verkleiden wollen. Der Kunststoff ist in seiner Ursprungsform schon über 50 Jahre alt, ab den 1980er-Jahren war er etwa als Grundstoff in Milliarden von CDs populär. Immer neue Anwendungen sollen den Erfolg sichern, so gibt es etwa Autoscheiben aus dem Werkstoff - und Stadiondächer.

Doch für das Stadion in unmittelbarer Nähe der Konzernzentrale sollte eine neue Variante eingesetzt werden. Satte 1,50 Meter Abstand zwischen den Dachträgern sollten mit der Platte der Variante „Makrolon Multi UV 3X/25-25 ES“ möglich sein, die hinsichtlich Lichtdurchlässigkeit und Färbung den Wünschen des Klubs angepasst wurde. Die größeren Abstände bedeuten weniger Gewicht für die Dachkonstruktion, aber möglicherweise auch eine erhöhte Gefahr. Denn größere Flächen steigern Experten zufolge die Gefahr, dass im Falle großer Hitze - etwa durch Feuerwerkskörper oder Bengalos - heißer Kunststoff abtropfen könnte. Medienberichten zufolge wurde bei den Leverkusener Platten möglicherweise auch eine Beschichtung verwendet, die Feuer fangen könnte.

Die Stadt Leverkusen hatte die Betriebsgenehmigung nach dem Umbau 2009 nur unter der Auflage genehmigt, dass die Platten zwei Jahre später erneut geprüft würden. „Die involvierten Gutachter haben sich positiv zur Sicherheit des Stadiondaches geäußert“, sagt ein Sprecher von Bayer Material Science.

Der Leverkusener Bürgermeister Reinhard Buchhorn sieht das anders. „Es gibt mehrere Gutachten. Eines besagt, eher okay, das andere, eher nicht okay“, zitierte der Kölner Stadt-Anzeiger Buchhorn. Das habe laut Rheinischer Post dazu geführt, dass der Bayarena bereits nach der Winterpause die Betriebsgenehmigung fast entzogen worden wäre. Nur unter Auflagen – etwa dem Einsatz von mehr Sicherheitspersonal – durfte das Stadion in der Bundesliga-Rückrunde betrieben werden.

Mittlerweile liegt auch ein drittes - negatives - Gutachten vor, das von einer erhöhten Brandgefahr spricht. Weder Stadt noch Bayer wollen mit den Details zu den Gutachten herausrücken und die Probleme mit den Platten konkretisieren. Bayer erweckte jüngst immer noch den Eindruck, dass die Genehmigung eigentlich nur eine Frage der Zeit sei. Man tausche das Dach aber aus, da der Verein in jedem Fall zum Saisonstart 2012/13 ein spielbereites Stadion haben solle und nicht noch auf eine Genehmigung gewartet werden müsse. Ein Fass aufmachen will Bayer trotz der Millionenkosten nicht. „Regressforderungen an die Stadt haben weder Bayer noch Bayer 04 auf der Agenda“, heißt es gegenüber Handelsblatt Online. Auf die Höhe des Schadens sei man „vorbereitet“.

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