Stagnation im Maschinenbau
Warnschuss für die deutsche Industrie

Stagnation im Maschinenbau: Die Schlüsselindustrie hat ein schwaches erstes Halbjahr hinter sich und kappt die Produktionsprognose. Gleich mehrere Märkte machen Probleme. Wie die Maschinenbauer gegensteuern.
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DüsseldorfEs läuft nicht richtig rund: Seit Monaten schon dümpelt der erfolgsverwöhnte deutsche Maschinenbau vor sich hin und wartet auf den ersehnten Aufschwung. Die Kunden im In- und Ausland wollen einfach nicht so recht in neue Maschinen und Anlagen investieren. Dabei war die Vorzeigebranche im April auf der Hannover Messe noch so optimistisch gestimmt. Zwei Prozent Produktionswachstum seien auf jeden Fall drin, hieß es. Zwar war der Start ins Jahr eher verhalten ausgefallen, die Maschinenbauer waren aber zuversichtlich, im Laufe des Jahres noch kräftig nachlegen zu können.

Doch davon ist jetzt keine Rede mehr: Die Zeichen stehen auf Stagnation. Statt der erwarteten zwei Prozent rechnet Deutschlands größte Industriebranche mit mehr als einer Million Arbeitsplätzen nur noch mit einer mageren Null beim Produktionszuwachs bis Ende des Jahres. Auch das ist noch ambitioniert, denn in den ersten vier Monaten lag das Minus bei 1,4 Prozent, im Mai waren es noch einmal knapp sieben Prozent.

Auch große Unternehmen der Branche wie der Anlagenbauer Voith spüren die labile Weltkonjunktur. „Es gilt überall erhebliche Risiken für die wirtschaftliche Erholung“, heißt es bei dem Spezialisten für Papiermaschinen und den Turbinenbau. „2015 wird ein schwieriges Jahr für den Maschinenbau.“

Es ist die Fülle an Risiken, die der Branche zu schaffen macht. Der Preisverfall bei den Rohstoffen, die Russlandkrise, die politischen Unsicherheiten in Europa – alles dämpft die Investitionsneigung der Unternehmen. Und zwar weltweit. Selbst Landtechnik-Hersteller wie Claas spüren die Zurückhaltung. „Wir verzeichnen derzeit einen Rückgang bei den Aufträgen auf allen Märkten“, heißt es bei dem Traktor- und Mähmaschinenbauer.

Das alles ist derzeit noch kein Grund zur Panik, schließlich sind die Orderbücher der Firmen noch gut gefüllt – die Kapazitätsauslastung lag zuletzt bei 84 Prozent, der Auftragsbestand reicht für ein halbes Jahr. Es ist aber ein erster Warnschuss auch für andere Teile der deutschen Industrie, dass die Zeiten härter werden und die Weltkonjunktur sich von ihrer labilen Seite zeigt.

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Konzentration auf Spitzentechnologie als Strategie

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  • evlt könnte sich das durch die IRAN Öffnung nun bessern.

  • Die marktfeindliche Energiewende = EEG wird nicht nur der deutschen Volkswirtschaft noch sehr viele Probleme bereiten, sondern wirkt sich auch auf den gesamten EU Raum aus. Wenn die Politik meint, mit einen EEG Gesetz das Produkt Strom und Wärme künstlich verteuern zu müssen und bestehen Werte (Kraftwerkmixpark von Kohle, Gas und vor allen Uran) zu vernichten, dann kann es mit der deutschen Industrie/Unternehmen und der ganzen Gesellschaft nur bergab gehen.
    Da hilft dann auch keine digitale Industrie 4.0. Denn die Digitale Welt ist um so mehr auf einen billigen und zuverlässigen Strom (Versorgung) angewiesen. Und die Energiewende ist alles andere als billig und zuverlässig!

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