Stagnierende Umsätze und niedrige Margen
Sportindustrie fürchtet Importschranken

Die europäische Sportindustrie kämpft gegen drohende neue Einfuhrbeschränkungen für Turnschuhe und Sportkleidung aus Asien. „Vor allem die Regierungen der neuen EU-Mitglieder wollen den Import einschränken, um die eigenen Arbeitsplätze zu schützen“, sagte Horst Widmann, neuer Präsident der Vereinigung der europäischen Sportartikel-Industrie (Fesi) dem Handelsblatt.

HB MÜNCHEN. Nach Ansicht des Verbands reichen die Kapazitäten in der EU aber längst nicht aus, um die Kunden zu versorgen. Zudem würden Einfuhrbeschränkungen die Firmen wirtschaftlich hart treffen.

Derzeit werde fast täglich mit den Regierungen der neuen EU-Mitgliedsländer sowie mit den Behörden in Brüssel verhandelt, um einen Kompromiss zu finden, betont Widmann. Sollte es zu Importbeschränkungen kommen, könnte dies zu einem reduzierten Angebot führen, warnte der 63-jährige Funktionär.

Vom Papier her könnte die Industrie aufatmen, denn zum Jahresende fallen die Importquoten, mit denen die Industrieländer in den letzten 30 Jahren ihre Textilindustrie geschützt haben. Dann darf auch ein Billiganbieter in China ungehemmt in die EU exportieren. Zudem werden die bisherigen Einfuhrbeschränkungen für Turnschuhe aufgehoben. Bisher gab es Quoten für billige Schuhe unter einem Preis von neun Euro.

Die Liberalisierung bedroht allerdings Jobs in Ländern wie Tschechien, Polen und Ungarn, in denen Sportkleidung und Schuhe produziert werden. Deshalb würden die Regierungen für Beschränkungen wie Zölle und Quoten bei der EU-Kommission werben, so Alberto Bichi, Generalsekretär der Fesi.

Die Sportbranche bezieht den größten Teil ihrer Schuhe und Textilien aus Asien. Die Firmen lassen zwar auch in Osteuropa und der Türkei fertigen; weil die Fabrikation in Asien billiger ist, kaufen die Sportartikler aber immer mehr in Fernost. Puma und Adidas, die beiden größten deutschen Anbieter, lassen dort seit mehr als 30 Jahren Shirts und Schuhe herstellen. Um im Preiskampf mithalten zu können, setzen die Firmen auf günstigere Auftragsfertiger statt auf eigene Werke.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Der Freizeitmode-Anbieter Trigema fertigt aus Prinzip nur in Deutschland. Und Löffler, ein österreichischer Hersteller von Funktionsunterwäsche hat erst jüngst seine Fabrik in Ried bei Salzburg ausgebaut.

Die Branche kämpft seit Jahren mit stagnierenden Umsätzen und niedrigen Margen. Eine Schuh-Produktion in Europa würde den Absatz einbrechen lassen, weil die Preise steigen würden, so die Furcht der 1 800 in der Fesi organisierten Hersteller. Es geht um einen riesigen Markt: Die Europäer gaben vergangenes Jahr im Sportfachhandel 36 Mrd. Euro aus. Die Sportbranche ist nicht alleine in ihrem Kampf gegen Einfuhrbeschränkungen. Jüngst warnte der deutsche IT-Branchenverband Bitkom vor Zöllen auf Flachbildschirme für Computer, die vor allem in Fernost produziert werden. Die EU wollte die Zölle einführen, um die einheimischen Anbieter von Unterhaltungselektronik zu schützen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%