Stahlaktien weiten Verluste aus
Stahlpreise werden wohl weiter kräftig steigen

Eisenerz wird nach Einschätzung von Experten wohl deutlich teurer. Damit könnte die weltweit anhaltend starke Nachfrage nach Stahl in diesem Jahr zu höheren Kosten für die Industrie führen.

HB SYDNEY. Der Maschinenbaukonzern Mitsubishi Heavy schraubte am Mittwoch wegen der hohen Stahlpreise seine Prognose für das Geschäftsjahr 2004/05 bereits deutlich nach unten. Japans Stahlkonzerne hatten zuvor angeführt von Nippon Steel für das neue Jahr eine Erhöhung des Eisenerzpreises um 71,5 Prozent durch den brasilianischen Bergbaukonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) akzeptiert. Wie aus chinesischen Handelskreisen verlautete, werden Stahlunternehmen aus China diese Vereinbarung voraussichtlich übernehmen.

Der Abschluss löste Befürchtungen aus, dies könne nur der Anfang sein: Weltweit gingen die Aktien von Stahlunternehmen auf Talfahrt, während Analysten am Mittwoch die Gewinnerwartungen für Bergbaukonzerne kräftig nach oben revidierten.

Experten gehen davon aus, dass die Stahlproduktion 2005 die 1,05 Milliarden Tonnen des vergangenen Jahres noch übertreffen und damit auf ein Rekordniveau steigen könnte. „Für den Eisenerz-Bergbau ist das ein sehr wichtiges Jahr“, sagte Stahlanalyst Dallas Horadam von AME Mineral Economics. Die Bergbau-Industrie verteidigte den CVRD-Abschluss. „Die Preiserhöhung spiegelt die noch nie dagewesene Nachfrage nach unseren Produkten wider, die auf das anhaltende Wachstum des Stahlverbrauchs vor allem in China zurückgeht“, sagte Sam Welsh, Chef des Eisenerz-Abbaus beim britisch-australischen Konzern Rio Tinto. Rio Tinto und BHP Billiton gelten als die größten Nutznießer, sollte das Beispiel Schule machen. UBS-Analysten erhöhten schon einmal ihre Gewinnprognose für Rio und stellten ähnliches für BHP in Aussicht.

Kostenexplosion für Stahlkonzerne?

Für Stahlkonzerne besonders in Asien würde diese Entwicklung hingegen die größte Kostenexplosion seit mehr als 50 Jahren bedeuten. Die im Januar durchgesetzte Erhöhung der Stahlpreise um acht Prozent würde damit untergraben. Befürchtet wird, dass die Stahlerzeuger die höheren Preise an ihre Industriekunden weitergeben. Mitsubishi Heavy halbierte seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wegen der bereits hohen Stahlpreise auf zehn Milliarden Yen (rund 72,145 Millionen Euro). Bislang war der Konzern von 22 Milliarden Yen nach 21,8 Milliarden Yen im Vorjahr ausgegangen. Ein Sprecher des Konzerns sagte mit Blick auf die CVRD-Abschlüsse: „Das ist ganz und gar kein positiver Faktor.“ Im Einzelnen seien die Folgen noch nicht abzuschätzen.

Der europäische Stahlkonzern Arcelor, Hauptabnehmer der CVRD, stemmte sich derweil gegen die Entwicklung. In einer Mitteilung weigerte sich das Unternehmen, den Abschluss mit den Japanern als wegweisend anzuerkennen. Angesichts des kleinen Liefervolumens seien die Preise kein Maßstab für die weitere Entwicklung. Analysten gehen aber davon aus, dass Arcelor früher oder später nachgibt. Japans Stahlunternehmen drängen auf rasche Abschlüsse mit den Bergbauunternehmen, um zu verhindern, dass es wie 2004 zu einer Verknappung von Stahl kommt. Im vergangenen Jahr hatten einige Autohersteller, darunter Nissan Motors, deshalb ihre Produktion heruntergefahren.

Stahlaktien weiten Verluste aus

Die deutschen Stahlhersteller Salzgitter und Thyssen-Krupp stehen noch in Verhandlungen mit ihren Lieferanten über neue Verträge. Ergebnisse lägen noch nicht vor, sagte ein Salzgitter-Sprecher am Mittwoch. Thyssen-Krupp rechnet Angaben vom Vortag zufolge nicht mit einem baldigen Abschluss. Derweil weiteten Stahlaktien ihre Kursverluste am Mittwoch aus.

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