Stahlbeteiligung
Vale erhöht Anteil an Thyssen-Werk

Der südamerikanische Rohstoffkonzern Vale do Rio Doce stockt seine Beteiligung an einer brasilianischen Hütte des deutschen Stahlkonzerns Thyssen-Krupp auf - und verschafft dem Stahlkocher damit vorerst Luft. Denn obwohl der weltweite Stahlmarkt am Boden liegt, hatte die Thyssen-Konzernführung zuletzt massiv investiert.

DÜSSELDORF. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp wird weitere Anteile seines brasilianischen Stahlwerks an den Rohstoffkonzern Vale do Rio Doce abgeben. Die Beteiligung des brasilianischen Minenbetreibers an dem Großprojekt soll von zehn auf 30 Prozent steigen. "Das ist die Größenordnung, über die wir verhandeln", sagte Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz gestern am Rande einer Branchenveranstaltung. Mit dem Anteilsverkauf würde Schulz seinen finanziellen Spielraum deutlich erweitern, da die Kosten des Projekts zuletzt aus dem Ruder gelaufen waren.

Nach seinen Angaben stehen die Gespräche kurz vor dem Abschluss. "Voraussichtlich Anfang September werden wir eine Einigung haben", sagte Schulz. Der Aufsichtsrat könnte dann auf seiner nächsten Sitzung am 4. September über den Teilverkauf abstimmen. Offen sind allerdings noch einige Punkte wie etwa die Mitbestimmungsrechte Vales bei dem Hüttenwerk. Eine Sprecherin des brasilianischen Konzerns wollte sich dazu nicht äußern.

Den größten Stolperstein, den Kaufpreis, haben die beiden Partner zur Seite geräumt. "Über die Bewertungsfrage sind wir uns einig", sagte Schulz, ohne konkrete Details zu nennen. Die Gesamtinvestitionen für die Hütte vor den Toren der Metropole Rio de Janeiro belaufen sich auf 4,5 Mrd. Euro - rein rechnerisch läge der Anteilswert also bei 900 Mio. Euro. "Dies wäre das Minimum, das erforderlich ist. Sonst wäre die Transaktion zum Nachteil der Aktionäre von Thyssen-Krupp", sagte Analyst Hermann Reith von der BHF-Bank.

Einige Experten halten einen Erlös in dieser Größenordnung allerdings für unwahrscheinlich, da der weltweite Stahlmarkt am Boden liegt. Seit Herbst sind Stahlnachfrage und Stahlpreise eingebrochen, wobei die Talfahrt vorerst beendet ist.

Von der Krise wird auch Thyssen-Krupp massiv getroffen. Vor allem wegen der Großinvestitionen in Brasilien und Nordamerika, deren Kosten sich auf insgesamt acht Mrd. Euro sprunghaft erhöht haben, ist die Finanzlage der Gesellschaft angespannt. Die Ratingagenturen haben mit Blick auf die Projekte in Übersee die Kreditwürdigkeit zurückgestuft. Luft verschaffte sich die Gesellschaft durch die Ausgabe von Anleihen, die drei Mrd. Euro in die Kassen spülten.

Trotz des höheren Investitionsvolumens verteidigte Schulz die Projekte. Man müsse die Werke langfristig betrachten. "Wir werden in 50 Jahren noch an den Standorten sein", sagte er. Mit den beiden Projekten will der Ruhrkonzern seine Position auf dem nordamerikanischen Markt stärken. Der in Brasilien produzierte Stahl soll im US-Bundesstaat Alabama weiterverarbeitet werden. Abnehmer sollen japanische und europäische Autokonzerne sein, die allerdings selbst mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen.

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