Stahlbranche
Mittal dämpft die Angst vor China

Die Stahlbranche befindet sich nach der schärfsten Krise seit Jahrzehnten allmählich wieder im Aufwind. Doch eine Angst bleibt: China produziert in großen Mengen billigen Stahl, in denen viele eine Bedrohung der weltweiten Preise sehen. Zu Unrecht, wie Lakshmi Mittal, Chef des größten Stahlkonzerns der Welt, dem Handelsblatt erklärte. Mittal rechnet eher mit positiven Nachrichten.

FRANKFURT. Der Chef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal, Lakshmi Mittal, nimmt der Branche die Angst vor einer Stahlschwemme aus China. „Das Wachstum in Chinas Stahlproduktion kommt dem nationalen Verbrauch zugute, nicht dem Export“, sagte der Konzerngründer dem Handelsblatt. Der reale Bedarf in Fernost sei sehr stark. Wenn überhaupt, dann exportiere China Teile seiner Stahlproduktion in andere südostasiatische Länder.

Die europäische Stahlindustrie fürchtet, dass China sie mit billigem Rohstahl überschwemmt. Das asiatische Land hat seine Produktion in den vergangenen Monaten deutlich erhöht, im selben Zeitraum fielen die Preise. Sollte China deswegen verstärkt exportieren, könnte das die sich abzeichnende Erholung der europäischen Branche ausbremsen. Das jedenfalls fürchtet der europäische Stahlverband Eurofer. Die Branche hatte sich zuletzt Monat für Monat von der schärfsten Krise seit den 50er-Jahren erholt. Europäische Hüttenkonzerne wie Thyssen-Krupp und Salzgitter konnten sogar wieder höhere Preise durchsetzen.

Eine regelrechte Stahlflut aus China käme insofern ungelegen. Stahl ist derzeit in China billiger als in Europa, zugleich sind die Frachtraten für den Transport so niedrig wie schon lange nicht mehr. Die Verlockung, den Werkstoff über den Seeweg auf den europäischen Markt zu exportieren, steigt damit. Noch ist der Zufluss zwar begrenzt, aber Eurofer registrierte bereits eine Zunahme von Angeboten.

Chinas Stahlindustrie hat die Produktion in den vergangenen Monaten auf ein Rekordniveau gesteigert. Die Nachfrage wuchs allerdings nicht in gleichem Maß, wie der chinesische Stahlverband Cisa einräumte. Der Überhang drückt die Preise, einige Stahlprodukte verbilligten sich seit August um bis zu 25 Prozent. „China hat zu viel produziert; das muss nun konsumiert werden“, sagte Mittal. Es gebe allerdings Anzeichen, dass einige Stahlkonzerne ihren Ausstoß im Schlussquartal drosseln wollten, um saisonbedingte Reparaturarbeiten durchzuführen: „Das dürfte die Produktion dämpfen“, sagte Mittal.

Der Chef des indischen Stahlgiganten erwartet daher, dass sich Angebot und Nachfrage im laufenden Jahresviertel angleichen: „Es gab zuletzt eine leichte Verbesserung bei den Preisen. Das ist ein Zeichen, dass sie ihren Boden gefunden haben und nun wieder steigen werden.“

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