Stahlbranche
Rekordstrafe für Arcelor und Klöckner

Die französischen Kartellbehörden haben eine Rekordstrafe gegen die Stahlkonzerne Arcelor-Mittal und Klöckner & Co verhängt. Zusammen mit neun anderen Firmen müssten die beiden Gesellschaften insgesamt 575 Mio. Euro als Strafe für Absprachen auf dem französischen Stahlhandelsmarkt zahlen, wie die Behörde mitteilte. Die illegalen Preisfestlegungen seien zum Nachteil der Kunden geschehen.

DÜSSELDORF. Angesichts der Höhe der Geldbuße sprechen Experten von einem "Hardcore-Kartell", das die elf Unternehmen in den Jahren 1999 bis 2004 betrieben hätten. Als Haupttäter sehen die Kartellwächter Weltmarktführer Arcelor-Mittal, auf den mit 302 Mio. Euro der Großteil der Strafe entfällt, und den Duisburger StahlhändlerKlöckner & Co, der 169 Mio. Euro zahlen soll.

Klöckner & Co räumt zwar ein Fehlverhalten ein, sträubt sich aber gegen die Höhe der Geldforderung. Denn die Kartellbehörde zog zur Festlegung des Strafmaßes den Gesamtumsatz der Firma heran, nicht wie üblich das Umsatzvolumen des betroffenen Marktes. Die französische Behörde behält sich allerdings in Fällen wie diesen vor, die gesamten Erlöse als Bemessungsrahmen heranzuziehen. "Dies wäre ein Widerspruch zu den Leitlinien zur Festsetzung von Geldbußen der EU-Kommission und anderen nationalen Bußgeldleitlinien, wie die des Bundeskartellamtes", sagt Marc Besen, Kartellrechtexperte der Kanzlei Clifford Chance.

Klöckner & Co kann sich also Hoffnung auf eine Minderung des Strafmaßes machen und will vor diesem Hintergrund will gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen. Auch Arcelor prüft Beschwerde gegen das Urteil. Für die Duisburger kommt die Strafe nicht unerwartet, wie ein Blick in den Prospekt für den im Jahr 2006 erfolgten Börsengang zeigt. Dort warnte die Gesellschaft bereits vor einer Strafe, stellte in der Bilanz aber nur 20 Mio. Euro zurück .

Die Rekordstrafe aus Frankreich trifft die Gesellschaft zu einem empfindlichen Zeitpunkt, wird das Geschäft doch bereits durch den Abschwung der Stahlmärkte belastet. Vorstandschef Thomas Ludwig hatte im November daher bereits die Umsatzprognose für dieses Jahr kassiert, auch das Ziel eines operativen Gewinns von 500 Mio. Euro wackelte.

Fraglich, ob dieses nun zu halten ist, da mit der Geldbuße 79 Mio. Euro zusätzlich in diesem Quartal zurückgestellt werden müssen.

Einen Teil der Forderung kann das Unternehmen immerhin auf die Landesbanken WestLB und HSH Nordbank abwälzen, die zum Zeitpunkt der Kartellabsprachen Eigentümer der Gesellschaft waren. Es gebe einen Erstattungsanspruch über 70 Mio. Euro, sagte ein Sprecher. Diesen hatten die Banken beim Verkauf der Stahlfirma zugesichert.

An der Börse sorgte die Nachricht für einen Kursrutsch von zwischenzeitlich minus sechs Prozent, im Handelsverlauf erholte sich die Aktie wieder. Ein Analyst bezeichnete die Kartellstrafe gegen Klöcker indes als "unschön, aber verkraftbar."

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