Stahlbranche
Salzgitter fährt Stahlverarbeitung zurück

Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter reagiert auf die abflauende Nachfrage und will seine Stahlverarbeitung kräftig drosseln. In den kommenden zwei Monaten werde die Weiterverarbeitung bei Flachstahl und den Trägern nach jetzigem Kenntnisstand um 30 Prozent zurückgefahren.

HB SALZGITTER. Grund für die Maßnahme seien Auftragsrückgänge. Die Aktie, die bereits am Mittwoch kräftig verloren hatte, sackte bis zum Nachmittag um rund acht Prozent ab und gehörte damit zu den Verlierern im schwachen MDax.

Am Mittwoch hatte Branchenführer Arcelor-Mittal angekündigt, seine Stahlproduktion um gut ein Drittel zurückzufahren. Die Preise für Stahl und Stahlprodukte sind wegen der Wirtschaftsabschwächung stark unter Druck geraten. In den vergangenen Monaten hatten verschiedene Hersteller weltweit daher bereits Produktionskürzungen angekündigt. Die deutsche Nummer eins, Thyssen-Krupp hat bislang nicht mitgezogen und bekräftigte am Mittwoch noch einmal, dass bei ihnen weiter keine Einschnitte geplant seien.

Weniger Stahl will Salzgitter allerdings nicht schmelzen: Der Salzgitter-Sprecher betonte, ihre Stahlproduktion sei nicht von den Maßnahmen betroffen, sie laufe unverändert weiter. Betroffen sei die Produktion in den Warm- und Kaltwalzwerken sowie die Beschichtung und Veredelung von Stahlprodukten. Salzgitter verarbeitet mehr Stahl als das Unternehmen selbst produziert und kauft in normalen Zeiten daher extern Brammen zu. Entsprechend muss der Konzern jetzt auch nicht die eigene Produktion kürzen, sondern reduziert den Zukauf von Brammen.

In der aktuellen Situation kommt Salzgitter seine breite Aufstellung zugute: In der Röhrensparte sowie in den Bereichen Grobblech und Handel sei die Situation stabil, betonte der Sprecher. Dadurch kann der Konzern möglicherweise einen Teil der Einbußen wieder wettmachen.

Seit einigen Jahren baut Salzgitter-Chef Wolfgang Leese den Stahlhersteller systematisch in einen Mischkonzern um, um ihn unabhängiger von den zyklischen Schwankungen im Stahlgeschäft zu machen. Mit dem Kauf der Mannesmannröhren-Werke im Jahr 2000 begründete Leese das Röhrengeschäft, vor einem Jahr folgte die Übernahme des Maschinenbauers Klöckner-Werke, und in diesem Sommer überraschte der Salzgitter-Chef mit dem Einstieg bei der Norddeutschen Affinerie (NA), die Beteiligung liegt mittlerweile bei etwas mehr als 20 Prozent.

Die Stahlproduktion will der Konzern bis spätestens Anfang 2010 von 7,3 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr auf neun Mio. Tonnen ausbauen und dann nicht noch stärker ausweiten. Derzeit werden die Kapazitäten an den Standorten Salzgitter, Peine und Ilsenburg ausgebaut. Neue Investitionen könnten allerdings vor dem Hintergrund der aktuellen Situation verschoben werden.

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