Stahlbranche
Thyssen-Krupp bekommt Brasilien nicht in Griff

Es ist das wichtigste Auslandsprojekt von Thyssen-Krupp - doch jetzt drohen bei der neuen Stahlhütte in Brasilien nach Informationen des Handelsblatts weitere Verzögerungen. Grund: Die Qualität stimmt nicht. Der Milliardenbau in Südamerika wird für Thyssen-Krupp zum ernsthaften Problem.

FRANKFURT. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp bekommt sein wichtigstes Auslandsprojekt nicht in den Griff. Wegen massiver Qualitätsprobleme werde sich die Fertigstellung der Kokerei in der brasilianischen Stahlhütte nach hinten verschieben, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. "Der August als zuletzt geplanter Termin für die Inbetriebnahme ist nicht mehr zu halten."

Die Kokerei ist Teil des neuen Hüttenkomplexes vor den Toren der Metropole Rio de Janeiro, der eine jährliche Kapazität von fünf Mio. Tonnen haben soll. Der Stahl soll in dem ebenfalls im Bau befindlichen Werk im US-Bundesstaat Alabama sowie am Stammsitz Duisburg weiterverarbeitet werden. Bei beiden Projekten kämpft Thyssen-Krupp mit Verzögerungen und ausufernden Kosten.

Die Probleme mit der Kokerei, die ein Vorprodukt für die Stahlherstellung liefert, könnten sich dem Vernehmen nach auch auf den Anlauf der Hochöfen auswirken. Dieser wird für Ende 2009 angepeilt. Wegen der weltweit schwachen Nachfrage hatte Konzernchef Ekkehard Schulz allerdings kürzlich einen späteren Produktionsstart nicht ausgeschlossen.

Mit dem Bau der Kokerei hatte Thyssen-Krupp den chinesischen Mischkonzern Citic International beauftragt. Die Arbeiten vor allem am Stahlgerüst der Anlage seien unzureichend ausgeführt worden, hieß es. Daher seien umfangreiche Nacharbeiten erforderlich. Thyssen-Krupp lehnte einen Kommentar zu den Informationen ab. Bei Citic war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Qualitätsmängel bei der Kokerei sorgen im Konzern für große Unruhe. Vorstandschef Schulz habe sich daher in Peking mit Verantwortlichen von Citic getroffen, um über deren zügige Beseitigung zu reden, hieß es in den Kreisen.

Denn nicht nur bei vielen Investoren sorgen die kostspieligen Verzögerungen des Mammutprojekts für Verstimmung - vor allem intern brodelt es. Bereits die Vergabe des Kokerei-Auftrags an Citic hatte in der Belegschaft für großen Ärger gesorgt, da Thyssen-Krupp mit seiner Tochter Uhde selbst einen Lieferanten im Haus gehabt hätte.

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