Stahlbranche
Thyssen-Krupp hebt die Preise an

Der dramatische Preisverfall in der Stahlbranche scheint zumindest vorerst ein Ende zu haben. Wie einigen Konkurrenten gelang es dem Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp zum 1. Juli, die Preise erstmals seit Herbst 2008 wieder anzuheben.

HB DÜSSELDORF. "Preiserhöhungen sind am Markt wieder durchsetzbar", sagte Unternehmenschef Ekkehard Schulz laut mehreren Zeitungsberichten vom Mittwoch. Das gelte auch für neue Jahresverträge mit der Autoindustrie. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen. Nach Schulz' Einschätzung zeigt dies, dass der im vergangenen Jahr mit der Wirtschaftskrise ausgelöste Preisverfall gestoppt ist. Zuvor hatten bereits die Konkurrenten Salzgitter und Arcelor-Mittal Preiserhöhungen bekannt gegeben.

Der Auftragseingang habe sich erholt, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. "Wir haben im Juni zwar noch nicht den Vorjahreswert erreicht, der Anstieg war aber überdurchschnittlich." Die Lagerbestände seien inzwischen weitgehend abgebaut. "Es wird wieder geordert." Demzufolge habe Thyssen-Krupp seine Stahlproduktion wieder erhöht.

Aktienhändler und Analysten zeigten sich erfreut: Nach den Preisanhebungen von Arcelor-Mittal und Salzgitter sei der Schritt von ThyssenKrupp zwar keine große Überraschung, stütze aber das Szenario, dass sich der Stahlmarkt erhole, sagte ein Händler. Aktien von ThyssenKrupp legten bis zum Mittag gut 2,5 Prozent auf 18,16 Euro zu und entwickelten sich damit stärker als der DAX.

Ob die Entwicklung nachhaltig ist, wollte der Sprecher noch nicht beurteilen. "Das können wir wohl erst nach der Sommerpause sagen." In den Vormonaten sei die Produktion auf die unterste Grenze von 50 bis 60 Prozent je nach nach Aggregatzustand gedrosselt worden. Welche Leistung nun angestrebt werde, wollte der Sprecher nicht sagen. Der Betriebsrat wurde damit zitiert, dass die Auslastung im Juni wieder zwischen 70 und 75 Prozent lag und im Juli 80 Prozent erreichen soll.

Wegen der Wirtschaftskrise war die Nachfrage bei den Stahlkonzernen weltweit eingebrochen. ThyssenKrupp hatte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (30.9.) einen Verlust von 362 Millionen Euro erlitten.

Zugleich kündigte Schulz eine baldige Lösung für das Krisenprojekt des Konzerns in Brasilien an. Der Rohstoffkonzern Vale wolle seine Beteiligung an dem gemeinsamen Stahlwerk von 10 auf 30 Prozent erhöhen. Beide Seiten seien sich über die Bewertung der Hütte bereits weitgehend einig, sagte der ThyssenKrupp-Chef den Zeitungen.

Die derzeit schwierige Lage der Stahlbranche habe dabei keine Auswirkungen. "Wir denken in langfristigen Kategorien." Eine endgültige Einigung sei bis Ende September zu erwarten. Das "manager-magazin" hatte zuletzt geschrieben, dass ThyssenKrupp möglicherweise 900 Millionen Euro für die höhere Vale-Beteiligung erhalte. Das wäre nach Analysteneinschätzung mehr als erwartet.

Damit würde sich ThyssenKrupp finanziell Luft verschaffen. Die Kosten für den Neubau waren aus dem Ruder gelaufen. Statt der ursprünglich vom Aufsichtsrat genehmigten 3 Milliarden Euro rechnet der Konzern inzwischen mit Kosten von 4,5 Mrd. Euro. Das neue Werk soll Mrd. im Frühjahr 2010 in Betrieb gehen.

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