Stahlbranche
Thyssen-Krupp sieht keine schnelle Erholung

Thyssen-Krupp erwartet nur eine langsame Erholung der Wirtschaftslage. Und der Stahlkonzern bekommt die Krise bitter zu spüren. Trotz eines Milliardenverlusts will Thyssen-Krupp seinen Aktionären eine Freude machen. Auf die Mitarbeiter kommen indes schwere Zeiten zu.
  • 3

HB ESSEN. Der von der Wirtschaftskrise gebeutelte Stahlkonzern Thyssen-Krupp rechnet mit einer nur allmählichen Erholung der Lage. „Die sich aktuell abzeichnende wirtschaftliche Erholung sehen wir noch als fragil an und gehen von einer eher langsamen Verbesserung aus“, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen laut Redetext. „Das Niveau von 2008 wird frühestens im Jahr 2012 wieder erreicht.“ Es bleibe zudem das Risiko, dass es 2010 noch einmal vorübergehend zu einem Rückschlag komme. 2010/11 werde sich die Lage aber verbessern.

Der Konzern hatte bereits vor zwei Wochen seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) vorgelegt. Thyssen-Krupp hatte einen Vorsteuerverlust von 2,4 Mrd. Euro eingefahren. Der Umsatz war auf 40,6 (Vorjahr: 53,4) Mrd. Euro gefallen. Die Aktionäre sollen dennoch eine Dividende von 30 Cent je Aktie (Vorjahr: 1,30 Euro) erhalten. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 erwartet ThyssenKrupp eine Stabilisierung des Umsatzes und einen bereinigten Vorsteuergewinn in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe.

Die Papiere von Thyssen-Krupp haben zwischenzeitlich nicht erkennbar auf den angekündigten Stellenabbau reagiert und zuletzt 0,25 Prozent auf 24,04 Euro gewonnen. Dass der von der Wirtschaftskrise schwer getroffene größte deutsche Stahlhersteller die Zahl der Beschäftigten im laufenden Geschäftsjahr um 20.000 auf 167.000 verringern will, sei „nichts Neues“, kommentierte ein Händler. Ein anderer fand es „etwas merkwürdig, wenn ein Unternehmen eine Dividende von 0,30 Euro beschliesst, die definitiv aus der Substanz des Unternehmens gezahlt werden muss, und auf der anderen Seite 20.000 Stellen kürzt“.

Der größte deutsche Stahlkonzern will trotz des Milliarden-Verlusts eine Dividende ausschütten. Der Hauptversammlung am 21. Januar 2010 soll vorgeschlagen werden, über eine Dividende von 30 Cent je Aktie rund 139 Mio. Euro an die Aktionäre auszuschütten. Der Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Vorschlag am Donnerstag zugestimmt, hieß es in einem am Freitag zur Bilanz-Pressekonferenz verbreiteten Redemanuskript von Konzernchef Ekkehard Schulz. Gleichzeitig bezifferte Schulz den Vorsteuerverlust für das Ende September abgeschlossene bisher schlechteste Geschäftsjahr in der Konzerngeschichte auf mehr als 2,3 Mrd. Euro.

Schulz sagte, mittelfristig solle der Umsatz bei 50 bis 60 Mrd. Euro liegen und das Vorsteuerergebnis bei mehr als vier Mrd. Euro. Der Konzern wolle künftig stärker in Märkten wie Indien, China und Brasilien wachsen. Zugleich steht der von der Wirtschaftskrise schwer betroffene Stahlhersteller vor weiteren Einschnitten.

Im laufenden Geschäftsende 2009/2010 (30.9.) solle sich die Zahl der Beschäftigten um 20.000 auf 167.000 verringern, sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz laut Redemanuskript am Freitag auf der Bilanz-Pressekonferenz der Dax-Gesellschaft in Essen. Der Großteil des Rückgangs basiert auf Verkäufen von Geschäftsfeldern. Zudem will der Konzern 5.000 Stellen durch einen Umbau der Verwaltung streichen. Dem sollen 3.000 Neueinstellungen vor allem in den neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA gegenüber stehen. Auch die erfolgreiche Aufzug-Sparte Elevator suche neue Mitarbeiter

Kommentare zu " Stahlbranche: Thyssen-Krupp sieht keine schnelle Erholung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer einen Herrn Middelhoff einstellt, will innerhalb einer Woche nicht mehr am Markt sein. Man sehe sich nur Quelle an.

  • "Der Konzern wolle künftig stärker in Märkten wie indien, China und brasilien wachsen"

    Das ist schon seit Jahren ein Trend, daß dort wo verbraucht wird, auch produziert wird. Die Lohnkosten sind dabei oftmals zweitrangig. Hier rächen sich nun die sinkenden Einkünfte in Deutschland, das Wegbrechen der Mittelschicht zugunsten der bereicherung der oberen 5% in Deutschland.

    Deutschland setzte immer auf den Export, die binnennachfrage wurde vernachlässigt. Das wird sich bitter rächen, nicht nur bei Arbeitsplätzen von Thyssen-Krupp.

  • "Der Konzern wolle künftig stärker in Märkten wie indien, China und brasilien wachsen"

    Das ist schon seit Jahren ein Trend, daß dort wo verbraucht wird, auch produziert wird. Die Lohnkosten sind dabei oftmals zweitrangig. Hier rächen sich nun die sinkenden Einkünfte in Deutschland, das Wegbrechen der Mittelschicht zugunsten der bereicherung der oberen 5% in Deutschland.

    Deutschland setzte immer auf den Export, die binnennachfrage wurde vernachlässigt. Das wird sich bitter rächen, nicht nur bei Arbeitsplätzen von Thyssen-Krupp.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%