Stahlbranche
Thyssen-Krupp wird schlanker

Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz will seinem Nachfolger ein krisengerüstetes Haus hinterlassen. Mit einem radikalen Konzernumbau will er die Strukturen entschlacken und damit Versäumnisse der vergangenen Jahre ausbügeln. Dazu verschärft er die Pläne, die er erst vor vier Wochen vorgestellt hat. Schulz begründet das mit der Wirtschaftskrise. Bei seiner Neuausrichtung orientiert sich Schulz an Unternehmen wie Arcelor-Mittal, die mit ihren schlanken Strukturen schnell auf Marktveränderungen reagieren können.

DÜSSELDORF. Schulz begründet das mit der Wirtschaftskrise. Bei seiner Neuausrichtung orientiert sich Schulz an Unternehmen wie Arcelor-Mittal, die mit ihren schlanken Strukturen schnell auf Marktveränderungen reagieren können. Die bislang in fünf Sparten und Hunderten von Einzelgesellschaften aufgefächerte Thyssen-Krupp AG kann sich hingegen nur schleppend auf die Krise einstellen. Im Konzernkonstrukt gehen wichtige Informationen verloren.

Die Trägheit des Industrieriesen ist nicht neu. Vor dem Hintergrund der Krise hatte der Aufsichtsrat daher am 27. März bereits eine Verschlankung von fünf auf zwei Sparten beschlossen. Dabei will es Schulz nicht belassen. Die Geschäftsbereiche sollen nun ihre Eigenständigkeit komplett verlieren und von der Holding direkt gesteuert werden. Bereiche wie Personal oder Einkauf sollen dort konzentriert werden. „Diese neue Struktur wird eine größere Nähe des Konzernvorstands zum operativen Geschäft sichern“, sagte Schulz.

Welche Auswirkungen die Schwerfälligkeit haben kann, zeigt sich bei den Neubauprojekten in Brasilien und den Vereinigten Staaten. Diese haben sich nicht nur verzögert, sondern sind mit insgesamt rund acht Mrd. Euro erheblich teurer geworden als ursprünglich veranschlagt. Erst spät reagierte die Konzernführung auf die Fehlentwicklung in Übersee, was die Kapitaldecke zusätzlich strapaziert.

Wenn Thyssen-Krupp schon 2006 die neue Struktur gehabt hätte, dann wäre einiges anders gelaufen, räumt Schulz heute selbstkritisch ein. „Auf dem Weg von Brasilien nach Deutschland sind Informationen verlorengegangen.“ Die Konglomeratsstruktur ist ein Erbe der vor zehn Jahren vollzogenen Fusion von Thyssen und Krupp.

Mit der wirtschaftlichen Lage, die sich weiter eingetrübt habe, begründete der 67-Jährige, dass der Umbau nun tiefer greift als vor vier Wochen beschlossen. Die Pläne dafür hätten zwar vorgelegen, aber man habe nicht erwartet, dass sie die Zustimmung der Betriebsräte finden würden, sagte Schulz. Den Konflikt mit den Betriebsräten will er nun riskieren.

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