Stahlhändler
Klöckner-Chef fürchtet lange Durststrecke

Klöckner & Co hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs von hoher Nachfrage und Kostensenkungsmaßnahmen profitiert. Der Blick nach vorn ist allerdings nicht so positiv: Der Duisburger Stahlhändler fürchtet eine längere Durchstrecke.
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FRANKFURT. Die Lage auf dem Stahlmarkt wird aus Sicht des Händlers Klöckner & Co in den kommenden Jahren unruhig bleiben. "Wir stehen am Anfang eines typischen Zyklus, der einige Jahre dauern wird", sagte Vorstandschef Gisbert Rühl bei der Bilanzvorlage. Solange die Hochöfen nicht ausreichend ausgelastet sind, besteht die Gefahr einer Überproduktion. Dadurch würden die Stahlpreise unter Druck geraten.

Viele Stahlkocher haben mit der Wirtschaftserholung ihre Anlagen hochgefahren; offenbar zu schnell. Denn geplante Preisanhebungen konnten die Konzerne zuletzt nicht durchsetzen. Um den Markt zu entlasten, hat unter anderem Arcelor-Mittal einige Hütten stillgelegt.

Um ihre Anlagen rentabel fahren zu können, brauchen die Produzenten laut Rühl eine Auslastung von 85 Prozent. Deutschlandweit liegt diese in diesem Jahr bei 83 Prozent, weltweit aber nur bei 72 Prozent. Die Rekordstände aus dem Jahr 2007 würden nicht vor 2014 erreicht, sagte der Klöckner-Chef.

Abhängigkeit von Europa verringern

Um sich besser gegen Schwankungen abzusichern und die Grundlage für ein schnelleres Wachstum zu legen, schlägt der Konzern neue Wege ein. Ausbauen will Rühl die Präsenz in Nordamerika sowie neu in die Märkte Osteuropa, China und Brasilien einsteigen. In Brasilien hat das Unternehmen einige mögliche Übernahmeziele sondiert, heißt es in Branchenkreisen. Eine Akquisition könnte bald erfolgen.

Mit dem Ausbau will Rühl die Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern. Bislang steuert Europa 85 Prozent zum Umsatz bei, Nordamerika den Rest. Im Jahr 2020 soll der Anteil bei 40 bis 60 Prozent liegen; zugleich soll die Absatzmenge von fünf Mio. Tonnen auf 15 bis 20 Mio. Tonnen wachsen.

Mit der Expansion würde Klöckner zum einzigen globalen Stahlhändler werden, der nicht im Besitz eines Produzenten ist. Dies könnte Begehrlichkeiten wecken, eine Übernahme fürchtet Rühl aber nicht. Der einzige Schutz gegen eine Übernahme sei nicht ein Ankeraktionär, sondern eine gute Bewertung, sagte er.

Die Akquisitionstour von Klöckner machte sich im bisherigen Jahresverlauf bezahlt. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz um ein Drittel auf 1,4 Mrd. Euro, ohne die kürzlich erworbene Becker Stahl-Service waren es nur 17 Prozent.

Dank der Zukäufe rechnet Rühl für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von 25 Prozent, wobei das vierte Quartal saisonbedingt schwächer ausfallen soll. Investoren zeigten sich enttäuscht, die Aktie gab deutlich nach.

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