Stahlhändler macht Verlust
Die China-Krise erwischt auch Klöckner

Der billige Stahl aus China hinterlässt bei Klöckner tiefrote Spuren. Das Jahr 2015 hat der Stahlhändler schon abgehakt: Digitalisierung und höherwertiger Service sollen den Konzern 2016 wieder in die Gewinnzone bringen.

DüsseldorfChina, immer wieder China. Während die deutschen Maschinenbauer unter der stark nachlassenden Kauflust chinesischer Firmen leiden, klagt Europas Stahlindustrie über die stark steigenden Importe aus dem Reich der Mitte. So drücken Baosteel & Co. ihre immensen Überkapazitäten auf die Weltmärkte – allein in den ersten sieben Monaten des Jahren waren es weltweit fast ein Drittel mehr Bleche, Träger und Coils als im Jahr zuvor. „Der Stahlmarkt ist völlig aus dem Lot geraten“, sagte am Dienstag Klöckner-Vorstandschef Gisbert Rühl.

Auch bei Europas größtem unabhängigen Stahlhändler hinterlässt der andauernde Preisverfall tiefrote Spuren: In den ersten neun Monaten wies das Unternehmen unter dem Strich ein dickes Minus von 85 Millionen Euro aus. Darin finden sich auch die hohen Aufwendungen für das laufende Restrukturierungsprogramm des Konzerns wider. Über 3000 Stellen hat Klöckner & Co in den vergangenen Jahren abgebaut, läuft mit seinen Sparanstrengungen aber den negativen Entwicklungen auf den Stahlmärkten hinterher.

Rühl hat schon vor einiger Zeit die Konsequenzen daraus gezogen: „Das Geschäftsmodell des lagergebundenen Stahlhandels funktioniert nicht mehr“, bekräftigte er am Dienstag noch einmal. Rühl setzt auf die Digitalisierung, bietet inzwischen entsprechende IT-Plattformen an, über die sich auch Handwerker und Privatkunden beliefern lassen können.

Den digitalen Service können selbst Konkurrenz-Unternehmen in Anspruch nehmen und Kunden beliefern – Rühl baut Klöckner damit zu einer Art „Amazon des Stahlhandels“ aus. Gleichzeig setzt der Klöckner-Chef auf höherwertige Produkte und mehr Dienstleistung wie die Fertigung komplexer Stahlteile, um sich dem Preisdruck im Stahlmarkt zumindest teilweise zu entziehen.

Schon im kommenden Jahr soll diese Strategie Früchte tragen. Rühl verspricht ein deutlich besseres operatives Ergebnis als 2015 und eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen, auch wenn sich die Stahlkonjunktur nicht erholen sollte. Das laufende Jahr hat er dagegen weitgehend abgehakt. Schon vor vier Wochen hatte Klöckner eine Gewinnwarnung bekanntgegeben. So rechnet Rühl bei einem traditionell schwachen vierten Quartal mit weiteren Einbußen. Der operative Gewinn (Ebitda) werde nur noch einstellig ausfallen, sagte er.

Ein weiterer Trumpf könnten die Anti-Dumpingmaßnahmen sein, die die Vereinigten Staaten aber auch die EU gegen die Welle chinesischer Stahleinfuhren in Gang gesetzt haben und diese 2016 mit entsprechenden Strafzöllen belegen könnte. „Ich erwarte dadurch eine leichte Entlastung bei den Preisen“, sagte Rühl. „Das ist der einzige Lichtblick.“

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