Stahlhersteller erhöht Gewinnprognose
Salzgitter erwägt höhere Dividende

Der niedersächsische Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter prüft angesichts eines Rekordgewinns die Dividende anzuheben. Allerdings sei es noch zu früh, eine konkrete Aussage zu machen.

HB DÜSSELDORF. „Wir haben in schwächeren Jahren die Dividende gesenkt, also werden wir sie im exorbitant guten Jahr 2005 anheben“, sagte Vorstandschef Wolfgang Leese im Gespräch mit dem Handelsblatt. Über die Höhe der Ausschüttung entscheide der Aufsichtsrat Anfang 2006, sagte der Stahlmanager. Für 2004 zahlte Salzgitter 0,40 Euro Dividende je Aktie. Analysten erwarten eine Verdoppelung.

Als Reaktion auf das überraschend hoch ausgefallene Ergebnis im dritten Quartal verteuerte sich der M-Dax-Wert gestern um zwei Prozent. M.M. Warburg und andere Bankhäuser hoben das Kursziel für die Aktie an. Salzgitter rechnet nun mit einem Vorsteuergewinn im Gesamtjahr von über 700 Mill. Euro. Bislang lag die Prognose bei 600 Mill. Euro – nach 323 Mill. Euro im Vorjahr. Von dem zuversichtlichen Ausblick profitierten auch die Aktien der Konkurrenten Thyssen-Krupp und Arcelor.

Salzgitter geht davon aus, dass das Hoch auf den internationalen Stahlmärkten vorerst andauert. „Als vorsichtiger Kaufmann sehe ich das Jahr 2006 zwar etwas schwächer, aber unsere Renditeziele werden wir übertreffen“, sagte Leese. Salzgitter strebt über einen Konjunkturzyklus eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von zwölf bis 15 Prozent an. „Nach 38 Prozent in diesem Jahr werden wir auch 2006 beträchtlich über der Marke von 15 Prozent liegen“, kündigt der Salzgitter-Chef an.

Sorge bereitet Leese allerdings der schwache Euro. Zur Stahlproduktion benötigte Rohstoffe wie Kokskohle, Koks und Eisenerz, die auf Dollarbasis abgerechnet werden, würden dadurch teurer. Leese schließt außerdem nicht aus, dass China demnächst verstärkt als Stahlexporteur in Erscheinung treten wird. Das Land, bis 2004 größter Nettoimporteur von Stahl, erreicht schon 2005 eine ausgeglichene Stahlhandelsbilanz. „In dem Feld, was uns berührt, wird China aber weiterhin auf Importe angewiesen sein“, hofft Leese. Dies gelte vor allem für hochwertige Automobilbleche. Hier hätten europäische Anbieter einen Vorsprung von etwa zehn Jahren, so der Salzgitter-Chef.

Leese, dessen Vertrag als Vorstandschef noch viereinhalb Jahre läuft, will den Konzernumsatz bis 2010 von aktuell gut sieben auf dann acht bis zehn Mrd. Euro erhöhen. „Vielleicht gelingt uns bereits im nächsten Jahr eine Akquisition“, versucht er externe Kritik an seiner bisherigen Kaufzurückhaltung zu entschärfen. Analysten bemängeln, dass Salzgitter – ähnlich wie Thyssen-Krupp – die aktuelle Privatisierungswelle in der Stahlbranche nur als Zuschauer verfolgt. „Die Chancen, die die Globalisierung ermöglicht, werden kaum ergriffen“, wundert sich Hermann Reith von der BHF-Bank. Auch im erweiterten europäischen Binnenmarkt ließen die deutschen Stahlkonzerne ausländischen Konkurrenten den Vortritt.

Leese stellt klar, dass er trotz eines Kassenbestands von einer Mrd. Euro nicht bereit ist, einen überhöhten Übernahmepreis zu zahlen. Die Gefahr, selbst übernommen zu werden, hält er für eher gering. Die Sperrminorität des Land Niedersachsen von 25,2 Prozent biete einen ausreichenden Schutz: „Es gibt keinen Grund, nervös zu werden.“ Das Management, das Land und die Mitarbeiter hätten sich eindeutig für die Eigenständigkeit ausgesprochen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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