Stahlindustrie
Schmalhans kocht am Hochofen

Der deutschen Stahlindustrie geht es nach einem massiven Nachfrageeinbruch wieder besser. Die Auftragsbücher sind noch gut gefüllt, weil einige Abnehmer ihre Lager aufgestockt haben. Doch mit dem Ende der Abwrackprämie wächst der Druck auf die Hersteller. Einige fürchten bereits den Preiswettbewerb mit China und erwarten Entlassungen.

GEORGSMARIENHÜTTE. Die deutsche Stahlindustrie muss sich kurzfristig auf einen Dämpfer einstellen. Der langfristige Aufwärtstrend wird aus Sicht von Peter van Hüllen, Chef des Stahl- und Industriekonzerns Georgsmarienhütte, zwar aufrechterhalten bleiben. „Es wird aber einen Rückschlag geben, weil der Effekt der Abwrackprämie uns negativ entgegenkommen wird“, sagt er dem Handelsblatt. Dies könnte Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres sein.

Das Förderprogramm für den Autoabsatz war im September ausgelaufen, noch profitieren die Fahrzeugbauer aber davon. Sorge bereitet van Hüllen die vorübergehende Marktschwäche nicht. „Im Jahr 2010 werden wir Stück für Stück ein moderates Wachstum sehen.“ Im bisherigen Jahresverlauf ist die deutsche Stahlproduktion um 40 Prozent auf 19,5 Mio. Tonnen gefallen.

Bereits in den vergangenen Monaten konnte sich die Industrie von dem massiven Einbruch erholen, der vor einem Jahr durch die Finanzkrise ausgelöst worden war. Die Bestellungen gingen zeitweilig um über 80 Prozent zurück. Neben positiven Impulsen durch die Abwrackprämie half den Unternehmen vor allem, dass die Abnehmer ihre Lagerbestände auffüllten. Dieser Prozess ist nun weitgehend abgeschlossen.

Angetrieben von der besseren Nachfrage nahm Arcelor-Mittal seinen stillgesetzten Hochofen in Bremen wieder in Betrieb. Thyssen-Krupp will im November einen weiteren Ofen anblasen. Von den 15 Hochöfen in Deutschland waren zur Hochphase der Krise sechs vom Netz genommen worden, um eine Überproduktion zu vermeiden. Der Druck auf die Stahlpreise sollte damit gemindert werden.

Innerhalb der Branche wächst nun die Sorge davor, dass dieser Schritt zu früh kommen könnte. „Unsere Auftragsbücher für Oktober und November sind ordentlich gefüllt, für Dezember sieht es aber mau aus“, klagt ein Vertreter eines Schwergewichts. Auch Georgsmarienhütte, die im Besitz von RWE-Chef Jürgen Großmann ist, hat hier noch keine klare Sicht: „Was im Dezember passiert, wissen wir wegen der möglichen Produktionsstillstände unserer Kunden um Weihnachten noch nicht“, sagt van Hüllen.

Für die kommenden Jahren stellt sich Georgsmarienhütte, neben der Stahlproduktion auch in den Bereichen Fahrzeugzulieferer und Maschinenbau aktiv, auf gedämpfte Zuwachsraten ein. „Es wird wieder ein Wachstum geben, aber nicht mehr in der Geschwindigkeit wie in den vergangenen Jahren“, sagt van Hüllen. Jetzt sei Schmalhans Küchenmeister. „Wenn wir in ein paar Jahren auf dem Stand von 2005 ankommen, werden wir in der Branche nicht unglücklich sein.“ In dem Jahr hatte der Boom noch nicht eingesetzt, allerdings wiesen die Unternehmen aus der Stahl- und Maschinenbauindustrie ordentliche Zuwachsraten aus.

Für das kommende Jahr stellt sich das niedersächsische Unternehmen auf eine Auslastung von rund 70 Prozent ein. Derzeit liege diese bei 50 bis 55 Prozent, sagt van Hüllen, der auf eine Erfahrung von 30 Jahren in der Stahlindustrie zurückblickt.

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