Stahlindustrie
Thyssen-Krupp streicht Tausende Stellen

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp steht vor einem weiteren schmerzlichen Stellenabbau. Vor allem in den defizitären Sparten Technologies und Services, aber auch im Edelstahlbereich sollen insgesamt mehrere Tausend Arbeitsplätze wegfallen, verlautete aus Konzernkreisen.

DÜSSELDORF. Der Großteil davon entfalle auf die Auslandstöchter, während in Deutschland vergleichsweise geringe Personalanpassungen geplant seien. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Darauf hatten sich Betriebsrat und Vorstand im Mai geeinigt. Ein Sprecher lehnte einen Kommentar zu dem geplanten Arbeitsplatzabbau ab und verwies auf eine Pressekonferenz am Freitag mit Vorstandschef Ekkehard Schulz.

An dem Tag will der Aufsichtsrat den geplanten Konzernumbau beschließen, der den Stellenabbau nach sich ziehen wird. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober werden die fünf Sparten in zwei Divisionen aufgehen und dabei ihre Eigenständigkeit verlieren. Zugleich sollen Verwaltungsangestellte etwa aus der IT und dem Personalwesen in einer konzernübergreifenden Einheit gebündelt werden.

Von dem Umbau verspricht sich Schulz eine Kostensenkung in Höhe von 500 Mio. Euro; rund die Hälfte davon soll durch Einsparungen beim Personal erzielt werden. Angesichts der für dieses Jahr erwarteten tiefroten Zahlen bleibt dem Unternehmen keine Alternative, auch um keine weitere Verschlechterung der Kreditwürdigkeit zu riskieren.

Analysten begrüßen die Verschlankung. Unter Druck sieht Alexander Haissl von Cheuvreux neben den Stahlsparten den Bereich Technologies, in dem das Werften- und Automobilgeschäft gebündelt ist.

Dem Vernehmen nach soll hier der größte Stellenabbau stattfinden. Im Gespräch sei der Wegfall von mehr als 3 000 Arbeitsplätzen, hieß es in Konzernkreisen. In den vergangenen Monaten gehörte Technologies bereits zu den Bereichen, in denen am stärksten Personal abgebaut wurde. Ein Drittel der seit Herbst konzernweit gestrichenen 15 000 Arbeitsplätze entfallen auf Thyssen-Krupp Technologies.

Vor größeren Einschnitten steht auch die Dienstleistungssparte. Einige Hundert, eher sogar Tausend Arbeitsplätze würden bei Thyssen-Krupp Services wegfallen, hieß es. Betroffen ist vor allem die Säule Werkstoffe mit Thyssen-Krupp Schulte an der Spitze, die von der Krise besonders gebeutelt werden. „Bei Schulte wird es eine große Zahl von Personalanpassungen geben“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Kurz vor der Aufsichtsratssitzung steht der Konzern indes vor einem wichtigen Etappenziel beim geplanten Umbau seines Edelstahlgeschäfts. Konzernführung und Betriebsrat sind sich weitgehend einig über eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten bei Thyssen-Krupp Nirosta, der Kerngesellschaft der Edelstahlsparte. Nach Angaben von Bernd Kalwa, Betriebsratschef der Edelstahlsparte, soll die Zahl der Wochenschichten von 21 auf 18 verringert werden. Unter dem Strich würde damit an einem Tag in der Woche nicht gearbeitet, die Sparte kann damit besser die Auswirkungen der Wirtschaftskrise abfedern.

Die Einigung sieht auch den Abbau von rund 300 der insgesamt 4 200 Arbeitsplätze bei Nirosta vor. „Die Personalmaßnahmen werden sozialverträglich durchgeführt“, sagte Kalwa dem Handelsblatt. Vorgesehen sind unter anderem Altersteilzeit und Abfindungen für wechselwillige Mitarbeiter.

Thyssen-Krupp Stainless scheint die Talsohle durchschritten zu haben, nachdem die Sparte mit einem Vorsteuerverlust von 826 Mio. Euro den Großteil des in den ersten drei Quartalen angehäuften Konzernverlustes von einer Mrd. Euro zu verantworten hatte. Zuletzt stiegen die Bestellmengen und auch die Preise wieder. Positive Signale sendet nun auch Thyssen-Krupp Steel. Die Stahlsparte bereitet sich dem Vernehmen nach auf ein Anfahren des wegen der Krise stillgelegten Hochofens neun vor. Zwischenzeitlich hatte Thyssen-Krupp die Produktion halbiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%